Uznach träumt von letzter Chance
Das Uzner Städtli soll von Lastwagen befreit und zur 20er-Zone mit weniger Verkehr werden. Die Gemeinde träumt von einer Begegnungszone, hochwertigen Wohnungen und Raum für das Gewerbe. Dessen Präsident zeigt sich begeistert – pocht aber auf flankierende Massnahmen.
Das Uzner Städtli soll von Lastwagen befreit und zur 20er-Zone mit weniger Verkehr werden. Die Gemeinde träumt von einer Begegnungszone, hochwertigen Wohnungen und Raum für das Gewerbe. Dessen Präsident zeigt sich begeistert – pocht aber auf flankierende Massnahmen.
Deutlich weniger Verkehr, keine Lastwagen mehr, eine schmalere Strasse und mehr Platz für Bäume, Brunnen oder Cafés. So stellt sich die Gemeinde Uznach das Städtli vor, wenn die neuste Variante der Umfahrungsstrasse A53 Gaster umgesetzt ist.
Ein- und Ausfahrt verschmälern
Das Projekt für das Städtli stammt aus der Feder von Sapartners, einem Büro für Stadtentwicklung und Architektur aus Zürich. Stadtplanerin Lea von Moos erklärt, wie die Grobplanung aussieht, wenn die Verbindungsstrasse realisiert wird: «Das verkehrsberuhigte Städtli könnte zum attraktiven Erlebnisraum für Wohnen, Einkaufen und Veranstaltungen werden.» Dies könne mit gezielten Massnahmen und gestalterischen Elementen wie Brunnen, Bäumen oder Ähnlichem passieren. Im Städtli soll Tempo 20 gelten.
Die Fahrbahn für die Autos soll zudem schmaler werden. So entstünde an den Rändern mehr öffentlicher Raum und Platz für Fussgänger, aber auch für die ansässigen Geschäfte: «Das wäre eine entscheidende Aufwertung, da die Trottoirs im Städtli zurzeit sehr schmal sind», sagt von Moos. Der gewonnene Freiraum könne für Bänke und Bäume genutzt werden. Eine andere Idee ist, dass Cafés Stühle rausstellen oder Geschäfte den Platz für die Präsentation ihrer Ware nutzen. «Die Detailplanung ist noch nicht gemacht. Aber mit den angedachten Massnahmen böte sich viel Spielraum für die Umsetzung verschiedener Konzepte.»
Gemeindepräsident Christian Holder- egger mahnt indes zur Geduld: «Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um Visionen und Ideen – sie alle hängen aber davon ab, ob die Verbindungsstrasse kommt. Da sind diverse Player involviert, und wir müssen in einem langen Zeithorizont denken.»
Attraktiven Wohnraum schaffen
Ist es aber einmal so weit und die Umfahrungsstrasse wird Tatsache, dann schwebt auch Holderegger Grosses vor: «Wenn das Projekt so realisiert wird, wird die Strasse durchs Städtli zur Gemeindestrasse. Dann haben wir viel grösseren Handlungsspielraum bei der Gestaltung.» So wäre es zum Beispiel möglich, das Städtli zu gewissen Zeiten ganz für den Verkehr zu sperren, etwa für Märkte. «Dann haben wir nicht bloss einen Platz im Städtli, sondern das Städtli wird zum Platz – mit dem Raum vor der Kirche als Zentrum.»
Zu guter Letzt würde Uznach auch von attraktiverem Wohnraum profitieren, ist Holderegger überzeugt: «Zurzeit ist es für die Liegenschaftsbesitzer wenig attraktiv, ihre Wohnungen und Fassaden zu renovieren – bei 15 000 Autos am Tag würde das nicht lange schön aussehen.» Wird das Städtli aber wirklich so aufgewertet, wie es die Vision vorsieht, würde dies den Besitzern der Liegenschaften einen Anreiz bieten. Dann würde es für sie attraktiv, ihre Häuser und Wohnungen zu renovieren, weil die Nachfrage nach Wohnraum im Städtli zunehmen würde.
Positiv steht den Plänen Mario Grob gegenüber. Er ist Präsident des Uzner Gewerbes und war in der Gruppe dabei, in welcher flankierende Massnahmen projektiert wurden: «Die aktuelle Variante der Verbindungsstrasse A53 hat in meinen Augen zwei grosse Vorteile», sagt Grob. Auf der einen Seite werde das Städtli vom Durchgangsverkehr entlastet. Und andererseits könne gewährleistet werden, dass die Lastwagen der Grossindustrie im Burgerfeld schnell nach Uznach hinein- und wieder wegfahren könnten, ohne dabei das Städtli verkehrstechnisch zu belasten.
«Letzte Chance fürs Städtli»
Bezüglich des Gewerbes denkt Grob an spezialisierte Geschäfte: «Mit einer Bäckerei, einem Comestible-Geschäft oder einem Café könnte die Zone stark aufgewertet werden.» Eine gute Durchmischung von Geschäften würde ausserdem einen Kontrapunkt zu den Einkaufszentren setzen.
Grob mahnt aber, dies sei wohl die letzte und einzige Chance, um das Städtli attraktiv zu gestalten – und fordert, dass noch deutlich weniger Verkehr durchs Städtli fliessen soll, als im jetzigen Projekt angedacht: «Die vom Kanton angepeilten 50 Prozent Reduktion sind deutlich zu wenig.» Bei 15 000 Autos pro Tag wäre das für Grob «eine kaum wahrnehmbare Verbesserung».
Weiter seien flankierende Massnahmen wichtig: «Allem voran muss eine neue Parkplatzsituation geschaffen werden», ist Grob überzeugt: Wer mit dem Auto anreise und im Städtli einkaufen wolle, müsse in unmittelbarer Nähe eine Parkmöglichkeit vorfinden. «Kommt das Projekt so zustande und werden auch die nötigen Parkplätze realisiert, ist dies auf jeden Fall eine deutliche Aufwertung des Uzner Städtli – sowohl für die Uzner Bevölkerung als auch für Laden- und Liegenschaftsbesitzer.»
«Tiefgarage eine Möglichkeit»
Für die Parkplatzsituation sind laut Holderegger mehrere Möglichkeiten angedacht. «Auch hier müssen wir zuerst abwarten, ob die Verbindungsstrasse kommt. Eine Möglichkeit, zu der sich schon Architekten Gedanken gemacht haben, wäre eine Tiefgarage beim Schulhaus Herrenacker.» Auch hier gelte jedoch: «Damit die Planung vorangetrieben werden kann, muss mehr Klarheit bezüglich der Verbindungsstrasse bestehen.» Bis es so weit ist, ist Träumen erlaubt.
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