Schmerkner Steg auf gutem Weg
Der geplante Steg für Spaziergänger in Schmerikon ist aufgrund des nahe gelegenen Naturschutzgebiets heikel. Erste Abklärungen zeigen nun aber: Trotz vieler Hürden ist die Realisierung denkbar.
Der geplante Steg für Spaziergänger in Schmerikon ist aufgrund des nahe gelegenen Naturschutzgebiets heikel. Erste Abklärungen zeigen nun aber: Trotz vieler Hürden ist die Realisierung denkbar.
Rapperswil-Jona hat bereits einen, nun will auch Schmerikon einen bauen: einen Steg für Spaziergänger und Jogger (Ausgabe vom Mittwoch). Dieser soll aber nicht nur dem Vergnügen der heimischen Bevölkerung dienen und Besucher anlocken. Hauptgrund dafür, dass die Gemeinde sich seit Längerem mit dem Bau eines solchen Stegs beschäftigt, ist der Naturschutz. Denn frühere von der Gemeinde getroffene Massnahmen zur Schaffung eines Lebensraums für Vögel zeigten nicht die gewünschte Wirkung (siehe Infokasten).
Neue Badeinseln aufschütten
Der neue Lösungsvorschlag präsentiert sich wie folgt: Die bereits bestehende nördliche Kiesinsel soll ebenfalls dem Naturschutz vorbehalten sein und für Menschen gesperrt werden. Im Gegenzug sollen für die Badegäste noch weiter nördlich, etwa auf der Höhe des Hallenbads, zwei neue Kiesinseln aufgeschüttet werden. Diese würden über einen Fussgängersteg erschlossen und wären für sämtliche Nutzungen wie Baden, Grillieren etc. offen.
Das Projekt steckt aber noch in den Kinderschuhen, wie Gemeindepräsident Félix Brunschwiler erklärt: «Es gibt viele Ämter und Organisationen, die bei einem solchen Vorhaben mitwirkungsberechtigt sind.» Aus diesem Grund habe am Donnerstag ein Treffen mit Vertretern verschiedener kantonaler Ämter sowie Natur- und Landschaftsschützern stattgefunden.
Viele Kritikpunkte angesprochen
«Es war eine angeregte Fachdiskussion, unzählige Aspekte und mögliche Hindernisse für das Projekt wurden angesprochen und diskutiert», sagt Brunschwiler. So sei ein Kritikpunkt, dass der Steg an zwei Stellen, an denen er vom Land wegführt, das Naturschutzgebiet kreuze. «Das ist laut Areg grundsätzlich ein No-Go.» Allerdings habe der Bund bereits signalisiert, dass der Schilfgürtel an diesen Stellen aus dem Schutzgebiet ausgenommen werden könnte.
Ein weiteres Problem ist der geplante Aussichtsturm am südlichen Ende des Stegs: «Das kantonale Tiefbauamt hat Vorbehalte angemeldet, weil dieser Sturm und Unwettern ausgesetzt sein wird.» Würde der Turm kippen, könnte er im dümmsten Fall den Damm beschädigen. «Solchen Szenarien wollen wir natürlich vorbeugen», sagt Brunschwiler.
Aufgrund der diversen Aspekte, welche berücksichtigt werden müssen, bis das Naturschutzprojekt mit Steg tatsächlich realisiert werden kann, wurde vereinbart, dass die verschiedenen Organisationen bis Ende August eine Vernehmlassung einreichen. «Sobald diese vorliegen, kann der Gemeinderat abschätzen, ob es Sinn macht, das Projekt weiterzuverfolgen.» Hierbei spielten sicher auch Fragen der Finanzierbarkeit eine Rolle. Laut einem ersten Machbarkeitsbericht belaufen sich die Projektkosten auf rund 2,1 Millionen Franken. «Das ist aber eine sehr grobe Schätzung. Genauere Zahlen können wir erst nennen, wenn ein konkretes Projekt vorliegt – was voraussetzt, dass wir das Vorhaben überhaupt weiterverfolgen», erklärt der Gemeindepräsident.
Entscheid in zwei Jahren
Ewig Zeit lassen kann man sich für diese Grundsatzentscheidung aber nicht: «Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss aus Gründen des Hochwasserschutzes so oder so eine Kiesentnahme im Aabach-Delta erfolgen.» Macht man dies nicht, droht ein Rückstau, der wiederum Folgen für das Hinterland hätte, durch welches der Aabach fliesst. «Zum Zeitpunkt der Kiesentnahme muss feststehen, ob die Umsetzung des angedachten Projektes angestrebt wird oder nicht», sagt Brunschwiler. Dies bedeutet, dass bis 2019 die Bewilligungsfähigkeit erwiesen und das Einverständnis der beschwerdeberechtigten Organisationen zugesagt sind.
Die gescheiterten Naturschutz-Massnahmen im Aabach-Delta
«Der Aabach, der südlich der Gemeinde Schmerikon in den Zürichsee mündet, ist eines der dynamischsten Fliessgewässer am ganzen See», weiss Gemeindepräsident Félix Brunschwiler. Durch den Transport von Kies und anderem Geschiebe entstand zwischen dem Aabach und dem Linthkanal mit der Zeit ein Flachmoor – dieses ist heute als Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung registriert.
Das Flachmoor und die vorgelagerten Kiesinseln stellen für die Vegetation und die Fauna äusserst wertvolle Lebensräume dar, wie die Gemeinde in einer Mitteilung schreibt. Bis zur Jahrtausendwende wurde das Kies, welches der Bach in den See schiebt, jährlich ausgehoben. Ab 1997 entsprach dieses Vorgehen nicht mehr den neuen Natur- und Wasserbauvorschriften. Deshalb wurde ein Entwicklungskonzept ausgearbeitet, um Aussagen zur langfristigen Entwicklung des Deltas treffen zu können.
Das Konzept sah vor, mit dem Kies, das aus dem See gebaggert wird, eine nördliche Kiesinsel für die Strömungsablenkung und weiter südlich eine ähnliche Insel als Brut- und Rastplatz für Vögel aufzuschütten. Weitere Kiesentnahmen erfolgten 2003/04 und 2011/12, wobei die Nordinsel mit zusätzlichem Kies verlängert und verstärkt wurde. Danach wurde die Südinsel der Natur überlassen. Anstatt dass sich wie geplant Vogelarten wie die Flussseeschwalbe oder der Flussregenpfeifer dort ansiedelten, überwucherte jedoch Gebüsch die Insel. Auch Fischer, Spaziergänger mit Hunden und Badende auf der Nordinsel störten die Ansiedlung der Vögel auf der Südinsel – das Projekt war gescheitert.
Deshalb erteilte der Schmerkner Gemeinderat im Juni 2015 der Niederer + Pozzi Umwelt AG den Auftrag, die aktuelle Situation beim Aabach-Delta und der im direkten Zusammenhang stehenden Umgebung aufzuarbeiten, die Entwicklungsziele zu überprüfen und allfällige Massnahmen zur Erreichung des Ziels zu erarbeiten.
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