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Juristisches Nachspiel zum Café am See ist vom Tisch

Das umstrittene Bauvorhaben am Weesner Seeufer wurde längst gestoppt: Jetzt ist auch der Rechtsstreit beigelegt, der sich daraus ergeben hatte. Gemeinde und Architekten haben sich aussergerichtlich geeinigt.

16.12.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Vergleich: Die Gemeinde Weesen und die Sieger des Wettbewerbs «Café am See» einigen sich aussergerichtlich.
Die Gemeinde Weesen und die Sieger des Wettbewerbs «Café am See» einigen sich aussergerichtlich.
ARCHIVBILD

Als Leuchtturm für Weesen wurde die Überbauung Café am See einst angepriesen: Doch kaum war das Siegerprojekt der Bietergemeinschaft um den Architekten Dietrich Schwarz bekannt, geriet der Turm ins Wanken. Der 24 Meter hohe Neubau am Seeufer war vielen im Ort ein Dorn im Auge. Der Koloss, der alle Bauten rundherum weit überragt hätte, verschandle das Dorf, waren sich 1700 Petitionäre einig. Mit ihrem Widerstand brachten sie den Leuchtturm letztlich zu Fall.

Drei Monate nach Übergabe der Petition stoppte der Weesner Gemeinderat Ende Februar die Pläne: Offiziell wurde der «Projekt- und Investorenwettbewerb Café am See» aus zwei Gründen abgebrochen. Einerseits hatte die Denkmalpflege Bedenken am Projekt geäussert, andererseits hatte sich der ursprüngliche Investor von diesem zurückgezogen.

Gemeinde widerruft Zuschlag

Obwohl ein Investorenwechsel im Laufe eines Bauprojekts nicht ungewöhnlich ist, stellte sich die Gemeinde Weesen auf den Standpunkt, damit bestehe eine rechtliche Unsicherheit. Da es sich um einen Projekt- und Investorenwettbewerb handle, sei zwingend eine Bietergemeinschaft bestehend aus Architekt, Landschaftsgärtner und Investor nötig. Weil Letzterer ausstieg, widerrief die Gemeinde den Zuschlag an die Bietergemeinschaft, die den Wettbewerb gewonnen hatte. Heisst: Der Bietergemeinschaft sollte der Gewinn des Wettbewerbs aberkannt werden. Und somit wäre ihr auch die Preissumme für den ersten Platz, 40 000 Franken, flöten gegangen. Dagegen sowie gegen die Sistierung des Wettbewerbs reichte die Bietergemeinschaft Einsprache ein.

Minusgeschäft für Siegerteam ...

Jetzt haben sich die beiden Parteien in einem Vergleich geeinigt, wie sie gestern mitteilten. Die Gemeinde Weesen anerkennt das einstige Siegerprojekt als solches an. «Damit verzichten wir darauf, dass uns die Bietergemeinschaft die Preissumme von 40 000 Franken zurückzahlen muss», erklärt Gemeindepräsident Marcel Benz. Das Projekt werde indes nicht mehr weiter bearbeitet, beide Parteien hätten keine Ansprüche mehr, der Wettbewerb sei damit auch juristisch abgeschlossen.

Im Gegenzug hat die Bietergemeinschaft ihre Beschwerden zurückgezogen. «Diese Einigung ist für uns positiv, rechtlich lag nicht mehr drin», sagt Architekt Dietrich Schwarz. Immerhin habe die Bietergemeinschaft so erreicht, dass ihr der erste Platz im Wettbewerb nicht im Nachhinein aberkannt wurde und sie die Preissumme nicht zurückzahlen musste.

Trotz dieser Rehabilitation war der Projektabbruch für sein Architekturbüro ein Minusgeschäft, betont Schwarz. «Von daher war es doppelt schmerzhaft.» Der Arbeitsaufwand, den man in den Wettbewerb gesteckt habe, rechne sich nicht, wenn man letztlich nicht bauen könne.

... und auch für die Gemeinde

Aufgrund des Rechtsstreits fallen für die Gemeinde Mehrkosten von 27 000 Franken an, die sie nicht budgetiert hatte. «Das Geld wurde für rechtliche Abklärungen im Vorfeld des Projektabbruchs und während des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht verwendet», erklärt Gemeindepräsident Benz. Insgesamt hat die Gemeinde damit knapp 190 000 Franken für den Wettbewerb ausgegeben.

Ein happiger Betrag für ein Bauvorhaben, das gar nicht realisiert wird. Marcel Benz, der als neues Gemeindeoberhaupt das ganze Projekt erst in der Endphase begleitet hatte, zieht Lehren aus diesem Fall. «Eines der Hauptprobleme ist, dass in der betreffenden Kernzone keine Firsthöhe für Bauten definiert ist.» Bei der Erarbeitung des neuen kommunalen Baureglements soll diesem Punkt jetzt besondere Beachtung geschenkt werden.

«Wir wollen das Baureglement bis 2020 umsetzen und dabei auch interessierte Bürger miteinbeziehen», so Benz. Die Kritik, die Bevölkerung habe zu wenig Mitsprache gehabt, lässt er nicht gelten. «Das Stimmvolk hat den Kredit für das Projekt klar gutgeheissen. Opposition gab es erst, als das architektonische Ergebnis und der Sieger feststanden.»

Für Architekt Schwarz Grund genug, alle Kräfte bei einem neuerlichen Projekt besser einzubinden. Er schlägt ein partizipatives Verfahren vor: Bürger, Gemeinde und Architekten sollen gemeinsam eine Strategie für ein neues Bauprojekt ausarbeiten. So könne das Widerstandsrisiko minimiert werden. «Das wäre für uns eine versöhnliche Wende», so Schwarz.

Immostrategie soll es richten

Dass die Gemeinde darauf einschwenkt, scheint eher unwahrscheinlich. Sie lässt es völlig offen, wie es nun mit dem betreffenden Grundstück an der Seepromenade weitergeht. Mittels Immobilienstrategie will Weesen im nächsten Jahr eine Auslegeordnung schaffen, welchen Bedarf es an Neubauten innerhalb der Kommune überhaupt gibt: «Nach Absprache mit den zwei Schul- und Kirchgemeinden werden wir sauber eruieren, was wir als Politische Gemeinde wo, wie und zu welchem Zweck im Dorf bauen wollen – und was wir anderen Körperschaften oder Privaten überlassen», erklärt Benz.

Dank Immostrategie und neuem Baureglement will die Gemeinde also erreichen, dass ein nächster Leuchtturm für Weesen im Dorf mitgetragen wird sowie bedeutend länger und positiver ausstrahlt als das versenkte Café am See.

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