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Liebe Bünder, Ihr seid richtige Tüpflischiisser, wenn’s ums Geld geht.

Das Thema Geld ist bei euch omnipräsent. Ihr habt ausreichend davon, wollt aber wenig darüber preisgeben. Das beginnt schon beim Gespräch über die Rechnung vom Abendessen im Restaurant.

26.01.18 - 08:36 Uhr
Leben & Freizeit
Über «Mäuse» wollt ihr nicht sprechen. Käse ist hingegen ein Lieblingsthema.
Über «Mäuse» wollt ihr nicht sprechen. Käse ist hingegen ein Lieblingsthema.
BILD: PIXABAY

Liebe Bündner,

ich mag euch. Sehr sogar. Aber es gibt Belange, da seid ihr richtige «Bünzlis». Man sagt euch nach, dass ihr zugeknöpft seid. Ja, ihr braucht ein paar Sätze, Konversationen oder Begegnungen, bis ihr auftaut. Aber es ist nicht das Kontakteknüpfen, das ich hier anspreche. Sondern der Umgang mit eurem wichtigsten Rohstoff: Geld. 

Ihr wollt das Wort nicht in den Mund nehmen

Ja, die Moneten regiert eure Welt. Das wissen auch wir, die hinter dem Arlberg leben. Aber ich bin schwer verwundert, wie schwer ihr euch tut, über euren «Stutz» zu sprechen. Und das hat nichts mit haben oder eben nicht haben zu tun. Viele, wirklich viele, tun sich bei euch schwer, das Wort überhaupt in den Mund zu nehmen. Und das fängt bereits bei Banalem an. 

Eine der ersten Konversationen nach meiner Ankunft in der Schweiz ging um das Ausgehen und Essengehen. Schnell sind wir Diskutanten von den Gaumenfreuden zur Abrechnung des Abends gekommen. Und plötzlich verebbte der Redefluss des Gegenübers. Er schluckte und wand sich, wollte die Summe, die er am Vorabend ausgab, partout nicht nennen. 

Über Geld...

kann ich problemlos sprechen.Entweder man hat es. Oder nicht.
48%
will ich mich nicht unterhalten. Das Finanzielle ist etwas sehr privates.
29%
Ist mir egal. Ich habe es nicht, also tangiert mich die Debatte nicht.
23%
31 Stimmen

Schon komisch. Dachte ich mir und tat ihn als Einzelfall ab. Noch am selben Tag stolperte ich über den Fauxpas eine Debatte über einen Kostenvergleich anzuregen und schließlich noch das Thema Gehalt anzuschneiden. Grosser Fehler. Ich fiel übel auf die Schnauze. (Wir würden «Goschn» sagen). Gopferdeckel! 

Zum Glück wurde ich schnell aufgeklärt. Die Schweizer haben ein grosses Problem über Geld zu sprechen. Eine Vermutung ist: Wer wenig verdient, ist ein schlechter, wer viel verdient, ist ein guter Mensch. Und weil alle Schweizer zu wenig verdienen, sind sie schlechte Menschen und ein tiefes Gehalt preiszugeben ist peinlich. Komische These.

Über Geld spricht man nicht, man hat es. Ein Grundsatz, der bestimmt für die Eidgenossen formuliert wurde. Jedenfalls: Wir mögen es haben oder nicht, aber machen keinen Hehl daraus. 

Also liebe Eidgenossen, was kostet die Welt? Zu viel Geld!

Liebe Grüsse, Valentina

 

P.S. Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt. Behauptete zumindest Albert Einstein.

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Liebe Valentina
Prima,endlich .... spricht es mal jemand in einem Artikel /Blog aus!
Aber nicht nur das.Desweiteren besticht der allgemeine Eidgenosse durch Misstrauen ,Argwohn und Kommunikationsdefizite.ja das ständige rumgeeire als endlich auf den Punkt zu kommen ist auch Anstrengend.Gerne wird aber dann der nicht Eidgenosse dann als zu direkt in die vorbereitete Schublade gesteckt.das ganze gepaart mit übereifrigem Nationalstolz und „ alles sind die Ausländer und die Eu Schuld“, zeichnet in der Masse ein doch Anstrengendes Bild ab. Zugegeben, regional und bildungsabhängig gibt es Unterschiede und Ausnahmen bestätigen die
Regel,bekannterweise.
Das zweite Unwort der Schweizer, was wohl kaum ein Eidgenossse über die Lippen bekommt ist „ Rassismus“ in Symbiose mit mangelner Fähigkeit zur Selbstreflexion.Aber zugegeben ,dies ist ein Problem was die Gesellschaft auf der ganzen Europäischen Kontinentalen Platte betrifft.schade, das ein im Anfang gemeinter Artikel mit Augenzwinkern,und so verstehe ich ihn,( kein Eidgenosse) in den Schweizer Medien einen Shitstorm auslösen würde ,was man auch fast täglich beobachten kann. So solltet ihr jetzt also Du und Deine Redakion doch den Mum besitzen meinen Kommentar frei zu schalten , dann habt ihr meinen Respekt und würdet mal beweisen , das auch andere Kritische Meinungen ok sind ,was viele Schweizer Medien nicht wollen um Ihre Leserschaft , die Eidgenossen , nicht zu vergraulen....verkehrte Welt eben....

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