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Schwingen? Ist das etwas Perverses?

Bei der Vorstellung an diesen Wettkampf kommen einem schweisstreibende Gruppenaktivitäten in den Sinn. Vielleicht auch zwei Männer. Aber keine Ringer.

27.01.18 - 11:00 Uhr
Leben & Freizeit
Schwingen ist uns Öschterreichern fremd. Den meisten zumindest.
Schwingen ist uns Öschterreichern fremd. Den meisten zumindest.

Liebe Leser, 

ihr werdet es nicht glauben. Schwingen ist uns fremd. Warum? Lest es hier:

Graubünden, ein Kanton von Schwingern. Der Versuch, mir seine Heimat und die Eigenheiten der Region kurz nach meiner Ankunft in Chur näherzubringen, endete mit einem verdutzten Blick und schliesslich mit einem Lachanfall. Mein Kollege war erstaunt. «Was? Du kennst Schwingen nicht?!» 

Gesichts- und Bauchmuskeln taten bereits weh, als er mir die Auflösung präsentierte. Schwingen sei eine sehr anstrengende und äusserst populäre Traditionssportart. Wieder Lachen. Nein, es handelt sich um nichts Verruchtes. Nein, beim Schwingen geht es nicht um verfängliche, jugendfreie Bettaktivitäten. 

Sondern um einen sehr fairen eidgenössischen und altehrwürdigen Nationalsportart, in Deutschland und Österreich besser als Hosenlupf oder Ranggeln bekannt. Never heard about. Wie konnte mir, einer sportinteressierten, einer skibegeisterten und bergluftfanatischen Alpenländerin, ein solch aussergewöhnlicher Sport entgehen?

Grosse Wissenslücke, grosser Unterhaltungswert

Ich bin perplex. Genauso wie ein Berufskollege aus Wien, dessen Schwinger-Kenntnisse ich nach meiner Aufklärstunde übers Natel erfragen wollte. «Schwingen? Ist das etwas Perverses?» Na Gott sei Dank. Seine Wissenslücke ist so gross wie meine und sein Unterhaltungswert ähnlich hoch wie meiner. 

Grösser ist seine Verwunderung, als ich ergänze, dass es sogar eine Schwinger-Liga, Wettkämpfe und ein sehr strenges Reglement gibt. Und gefeierte Sieger. Und viele Fernsehbeiträge. Und eine grosse  Fansschar. Da können die österreichischen  Sackrutscher, die nur bei Gelegenheit und Schnee auf ihren mit Heu gefüllten Plastikbeutel einen Hang runterrutschen, einpacken. 

Er war von Frauen umringt

Ich muss gestehen, die ersten Fotos und Berichte, die ich unter die Finger bekam, haben meine Neugierde geweckt. Besonders, als ich kürzlich den amtierenden Meister bei einer Sportveranstaltung erblickte (danke hiermit an den Eidgenossen, der mich auf den erfolgreichen Schwinger aufmerksam machte, ich hätte ihn nicht erkannt). Ein Ringer, umringt von vielen Frauen. So werden bei uns nur die Skifahrer umschwärmt. 

Bevor es nun wieder retour nach Österreich geht, will ich mir eure liebste Wettkampfart kennenlernen. Bin gespannt, wie amüsant der Schwing-Abend wird. (Liebe Österreicher, bitte haltet euch den Bauch. Beim Lachen.)

Mein Fazit folgt. Liabi Grüassli

Valentina

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