So wenige Verkehrstote gab es im Kanton seit 1945 nicht mehr
2017 stieg die Zahl der Verkehrsunfälle im Kanton wie auch im Linthgebiet leicht an – allerdings gab es weniger Verletzte. «Lediglich» zehn Menschen starben auf St. Galler Strassen, ein historischer Tiefststand. Zwei tödliche Unfälle ereigneten sich in der Region. Sorgen bereitet der Polizei der sprunghafte Anstieg der E-Bike-Unfälle.
2017 stieg die Zahl der Verkehrsunfälle im Kanton wie auch im Linthgebiet leicht an – allerdings gab es weniger Verletzte. «Lediglich» zehn Menschen starben auf St. Galler Strassen, ein historischer Tiefststand. Zwei tödliche Unfälle ereigneten sich in der Region. Sorgen bereitet der Polizei der sprunghafte Anstieg der E-Bike-Unfälle.
Etwas mehr Unfälle, leicht weniger Verletzte und eine rekordtiefe Zahl an Todesfällen: So lässt sich die kantonale Statistik zu den Verkehrsunfällen im letzten Jahr knapp zusammenfassen. Seit 2013 haben sich die Unfallzahlen auf tiefem Niveau eingependelt. Im letzten Jahr krachte es kantonsweit auf den Strassen 2782-mal. Das sind zwar 70 Unfälle mehr als 2016, allerdings mit weniger schwerwiegenden Folgen. Die Zahl der Verletzten sank auf 1078 (–39), jene der Schwerverletzten ging gar massiv zurück (139/–51).
Auf ein Rekordminimum schrumpfte die Anzahl Verkehrstoter (10/–4). Ein solcher Tiefstwert wurde letztmals vor 72 Jahren erreicht. Zwei Menschen verloren 2017 ihr Leben auf den Strassen in der Region. Besonders tragisch war der Tod eines 4-jährigen Knaben von Mitte August in Jona. Eine Autolenkerin fuhr damals aus einem Parkfeld auf die Strasse und übersah dabei den Knaben, der mit seinem Laufrad auf dem Trottoir unterwegs war.
Der zweite tödliche Unfall ereignete sich an Silvester in Schmerikon. Ein 86-Jähriger touchierte mit seinem Auto bei der Suche nach einem Parkplatz seine 87-jährige Lebenspartnerin. Sie stürzte, geriet unter den Wagen und verstarb auf der Unfallstelle.
Gommiswald: markante Zunahme
Ansonsten sind die Zahlen in See-Gaster erfreulicher: Zwar nahmen die Unfallzahlen erstmals seit Jahren wieder leicht zu (360/+30), doch sie verharren auf einem tiefen Stand. Zudem blieb die Zahl der Verletzten stabil (110) – trotz mehr Unfällen. Mit Abstand am häufigsten krachte es in der Stadt Rappers- wil-Jona (129), gefolgt von Eschenbach (55) und Gommiswald (36).
Der happige Anstieg in Gommiswald (+24 Unfälle; siehe Grafik) ist indes nicht auf besondere Umstände zurückzuführen. Nach einem ausserordentlich tiefen Wert 2016 kletterten die Unfallzahlen dort wieder auf das durchschnittliche Niveau der Vorjahre.
Hotspot Ricken hat Priorität
Neuralgische Strassenabschnitte, an denen sich Unfälle häufen, nimmt die Polizei speziell unter die Lupe. Ähneln sich die Ursachen (schlechte Sicht, Rückstau, Signalisation, Strassenradien, Licht, usw.) wird eine intensive Überprüfung gestartet. Auch in der Region werden mehrere solcher Hotspots überwacht.
Einer davon befindet sich auf dem Ricken. Das Problem dort sind die Ortseingänge – von allen Seiten fährt der Verkehr mit 80 km/h heran, die 50er-Tafeln stehen aber erst nahe am Dorfzentrum. Viele Auffahr- und Schleuderunfälle sind die Folge. «Nach intensiver Überwachung haben wir diesen Unfallschwerpunkt nun ins 17. Strassenbauprogramm eingegeben – mit der höchsten Priorität», bestätigt Werner Lendenmann, Abteilungsleiter der Verkehrstechnik. Mit welchen «Tempodrosselungs-Massnahmen» die Dorfeinfahrten in Ricken letztlich sicherer gemacht werden sollen, entscheidet somit der Kantonsrat bei der Behandlung des Strassenbauprogramms.
Ein weiterer neuralgischer Abschnitt befindet sich beim Bahnhof Rapperswil. Dort kommt es häufig zu Auffahrunfällen – vorwiegend wegen Rückstaus auf dem Seedamm und wegen der zahlreichen Ampelanlagen. «Da wir die Lichtsignale nicht einfach abmontieren können, sind auf dieser Strecke keine Massnahmen geplant», so Lendenmann. Die Polizei werde die Situation vor Ort aber weiter im Auge behalten. Ebenso unter Beobachtung bleibt ein anderer Unfallschwerpunkt in der Region: die A53-Einfahrt bei Eschenbach/Neuhaus.
Fussgänger trifft selten Schuld
Auffällig waren im vergangenen Jahr vor allem drei Phänomene im ganzen Kanton. Einerseits nahmen die Unfälle mit E-Bikes markant zu (72/+26). Innerhalb von zwei Jahren stieg die Anzahl um satte 200 Prozent. «Der wiederholte Anstieg ist besorgniserregend. Dabei wären viele der E-Bike-Unfälle mit einfachen Mitteln zu verhindern», weiss Lendenmann (siehe Kasten).
Erfreulich ist der Rückgang von Unfällen auf dem Schulweg (32/–12). Nach einem deutlichen Anstieg 2016 hatte die Polizei die Prävention in diesem Bereich massiv verstärkt – und das trug bereits Früchte. Aktuell gilt das Augenmerk der Präventionsarbeit den Motorradfahrern. 2017 gab es 181 Töffunfälle (+15), dabei starben zwei Personen. Und entlang beliebter Töffstrecken reichen immer mehr Bürger Lärmklagen ein.
Leicht weniger Unfälle gab es auf Zebrastreifen (110/–9). Brisant: Nur bei jedem vierten waren Fussgänger hauptschuldig. Meist übersahen unaufmerksame Lenker die Passanten – und touchierten diese vorwiegend auf der zweiten Hälfte des Fussgängerstreifens.
Ablenkung als Hauptursache
Wer sich über Blitzer in Dörfern nervt, wird von der Statistik eines Besseren belehrt: Die allermeisten Unfälle geschehen innerorts (1575). «Daher konzentrieren wir Tempomessungen auf den Innerorts-Verkehr», betont Christian Aldrey, Leiter der Verkehrspolizei.
Dass Unfälle passieren, hat meist mit menschlichem Fehlverhalten zu tun: Unaufmerksamkeit am Steuer (590/+6), Alkohol (207/+1) und zu hohes Tempo (449/+62) sind nach wie vor die Hauptursachen. Der steile Anstieg der Schnellfahrerunfälle zeige, dass die Wirkung von Via Sicura «etwas verpufft ist», stellt Bruno Zanga, Kommandant der Kantonspolizei, fest. 2014 hatte der Bund dieses Massnahmenpaket zur Verbesserung der Verkehrssicherheit lanciert.
Nach wie vor der unfallreichste Tag bleibt der Freitag, am Sonntag ereignen sich am wenigsten Unfälle. Verteilt auf den Tag kracht es am meisten im Abendverkehr (von 17 bis 19 Uhr). Die meisten Blechschäden gibt es im Januar, während Unfälle mit Verletzten im Sommer häufiger vorkommen.
Überschätzung und Überforderung: Viele E-Biker haben ihr Gefährt nicht im Griff
Während die im Vergleich zum Vorjahr haben (171/–10), ist die Zahl der im Kanton erneut gestiegen – um . Betroffen sind vor allem mit einer Tretunterstützung von bis zu 25 km/h. Laut Polizei ereignen sich mit diesen Gefährten : Solche E-Biker krachten oft in Strassentafeln, PW oder Fussgänger. «Viele dieser Lenker ihre sowie auch das dieser Bikes », erklärt Werner Lendenmann, Abteilungsleiter Verkehrstechnik. Hinzu komme, dass mit solchen Bikes unterwegs seien, die . Etwa aller Unfälle mit langsamen E-Bikes ist laut Statistik . Deshalb ist Lendenmann überzeugt: «Solche Unfälle könnten durch und vermieden werden.» Entsprechende Angebote und Kurse gebe es zuhauf, so Lendenmann. Und auch , die mit einem Velofahrer rechnen, würden oft überrascht, wie schnell E-Bikefahrer aufschliessen oder vorbeikurven. Den gilt es allerdings etwas Denn etwa , wie die sind, haben sich bei den E-Bikes .(rol)
«Viele Unfälle mit E-Bikes wären mit einfachen Mitteln zu verhindern.»
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