«Zecken muss man sich abholen»
Zecken gibt es sehr viele in diesem Jahr – auch in der Südostschweiz. Der Bündner Kantonsarzt erklärt, wie man sich vor einem Zeckenstich schützen kann.
Zecken gibt es sehr viele in diesem Jahr – auch in der Südostschweiz. Der Bündner Kantonsarzt erklärt, wie man sich vor einem Zeckenstich schützen kann.
Mit den Kindern im Wald «brötla», beim Wandern eine Wiese mit halbhohem Gras durchqueren: Bei vielen rufen diese Freizeitvergnügen Angst hervor. Was, wenn es Zecken hat? Was, wenn diese beissen und eine Krankheit übertragen? Und: Stimmt der Eindruck, dass es mehr Zecken hat als noch vor ein paar Jahren?
«In den vergangenen Jahren hat das Zeckenvorkommen zugenommen», sagt der Bündner Kantonsarzt Martin Mani. Im vergangenen Jahr seien in Graubünden 18 FSME-Fälle gemeldet worden, 2018 schon deren elf – und das nur bis Ende Juni. Mani kennt sich besonders mit den FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis) Fällen aus. Diese Krankheitsfälle, die durch ein Virus ausgelöst werden und nur schwer behandelbar sind, sind beim Kanton meldepflichtig.
Zecken können aber auch Bakterien übertragen und so Borreliose auslösen. Diese Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden. Schweizweit werden diese Fälle von Hausärzten freiwillig in einem dafür eingerichteten System erfasst.
Sie können weder fliegen noch springen
Gegen FSME könne man sich impfen, sagt Mani zum Schutz vor Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden. «Das geht sehr einfach: Man kann sich beim Hausarzt oder mittlerweile auch in vielen Apotheken impfen lassen», so Mani. Auf www.impfapotheke.ch findet man rasch heraus, wo sich die nächste Apotheke mit einem Impfangebot befindet.
Damit man erst gar nicht eine Zecke auflese, meide man am besten hohes Gras und Unterholz (herumstreifen im Wald) und trage lange Kleidung, so Mani. «Zecken können weder springen noch fliegen, man muss sie sich abholen», erklärt der Kantonsarzt. Sie werden an Mensch oder Tier abgestreift und halten sich lieber auf der Haut statt auf Kleidern auf.
Lücke schliesst sich bald
Rund um Chur, im vorderen Prättigau und zwischen Sargans und Feldkirch gibt es ein gehäuftes Zeckenvorkommen, ebenso in der Region Rapperswil-Jona. Die Impfempfehlungen des Bundesamts für Gesundheit schliessen weitere Regionen in der Südostschweiz ein:
Orange die Regionen, wo eine FSME-Impfung empfohlen wird.
Rot die Regionen mit einem erhöhten Zeckenvorkommen.
Aufgrund des erhöhten Zeckenvorkommens glaubt Mani, dass sich die Lücke zwischen der mittleren Surselva (Brigels, Trun, Sumvitg) und Bonaduz bald schliessen wird. «FSME-Fälle treten vorwiegen in Osteuropa auf», erklärt Mani. «Weshalb sich ihr 'Einzugsgebiet' immer mehr nach Westen ausdehnt, weiss man aber nicht.»
In der Südostschweiz gibt es gemäss Mani aber eine Grenze Richtung Süden. Im Engadin gebe es keine Zecken, ebensowenig im Tessin. «Und ab 1500 m.ü.M. kommen weniger Zecken vor.» Der Grund dafür sei vermutlich «ganz simpel», so Mani. «In der Höhe gibt es immer weniger Tiere, wo die Zecken andocken könnten. Also keine Transportmittel mehr.»
Was, wenn man doch eine Zecke nach Hause bringt? Mani hat ein paar Tipps für Euch:
Simone Zwinggi ist Redaktorin bei Zeitung und Online. Nach einem Sportstudium wendete sie sich dem Journalismus zu. Sie ist hauptberuflich Mutter, arbeitet in einem Teilzeitpensum bei der «Südostschweiz» und hält Anekdoten aus ihrem Familienleben in regelmässigen Abständen im Blog Breistift fest. Mehr Infos
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