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Zur Entlastung von Bischof Joseph Maria Bonnemain erhält die Diözese Chur im Sommer einen Weihbischof. Wird dieser automatisch Bonnemains Nachfolger? Wir klären auf.

23.02.26 - 15:53 Uhr
Graubünden
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Eigentlich müsste Joseph Maria Bonnemain längst im Ruhestand sein, denn laut Kirchenrecht reichen katholische Bischöfe mit 75 Jahren ihren Rücktritt beim Papst ein. Der Churer Bischof wird jedoch am 26. Juli bereits 78 Jahre alt – er wäre also regulär seit drei Jahren pensioniert. Dass er trotzdem weiterarbeitet, hat einen besonderen Grund: Da Bonnemain bei seiner Ernennung bereits 72 Jahre alt war, bat ihn Papst Franziskus (2013–2025) ausdrücklich, das Amt für mindestens fünf Jahre auszuüben. Damit war er bis mindestens 2026 gesetzt.

Nun kommt Papst Leo ins Spiel: Dass dieser Bonnemains Wunsch nach einem Weihbischof zugestimmt hat, wertet der Churer Bischof als klares Signal. Gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte er, der Papst habe ihm damit indirekt das Vertrauen ausgesprochen, seinen Dienst über die fünf Jahre hinaus weiterzuführen. Doch was ist ein Weihbischof? Was macht er? Und ist er automatisch Bonnemains Nachfolger? Hier sind die passenden Antworten:

Was macht ein Weihbischof?

Ein Weihbischof leitet selbst kein Bistum. Vielmehr unterstützt er den Diözesanbischof bei seinen Leitungsaufgaben. Oft sind Weihbischöfe für eine bestimmte Region, für Personengruppen oder besondere Felder der Seelsorge – vor allem für die Firmung – zuständig. Ein Weihbischof trägt die bischöflichen Insignien wie Ring, Hirtenstab und Mitra. Der Begriff «Weihbischof» ist nur im deutschen Sprachraum gebräuchlich; international sind Bezeichnungen wie Hilfs- oder Auxiliarbischof üblich.

Warum hat Bischof Joseph Maria einen Weihbischof beantragt?

Bonnemain wird im Juli 78 Jahre alt. In diesem Alter ist Unterstützung bei der anstrengenden Arbeit im Bistum schlicht vernünftig und ein Zugeständnis an seine Gesundheit. Nicht zu vergessen: Das Bistum Chur ist geografisch riesig. Es umfasst die Kantone Graubünden, Schwyz, Uri, Glarus, Ob- und Nidwalden sowie Zürich und zählt über 600'000 Katholikinnen und Katholiken. Als Diözesanbischof muss Bonnemain an unzählige Firmungen, Einweihungen und Sitzungen teilnehmen. Ein Weihbischof kann diese Termine vor Ort übernehmen und ihn so physisch entlasten.

Ist es richtig, dass der Papst einem Bischof über 70 keinen Helfer zur Seite stellt?

Üblicherweise zögert der Heilige Stuhl, einem Bischof kurz vor der Pensionierung noch einen neuen Weihbischof zur Seite zu stellen. Dies, um dem Nachfolger freie Hand bei der Wahl seines Teams zu lassen. Dass Papst Leo dem fast 78-jährigen Bonnemain diesen Wunsch gewährt, ist ein starkes kirchenpolitisches Signal. Die Botschaft: Ein Weihbischof hilft mit, die Stabilität im als schwierig geltenden Bistum Chur zu sichern, auch wenn die spätere Nachfolgesuche länger dauern sollte. Zudem unterstreicht dieser Schritt, dass Bonnemain nicht unmittelbar vor dem Rücktritt steht.

Wird der neue Weihbischof automatisch Bonnemains Nachfolger?

Nein. Ein Weihbischof hat kein «Ticket» für die automatische Nachfolge. Wenn Bischof Bonnemain zurücktritt, endet formal auch die Amtszeit des Weihbischofs.

Was ist der Unterschied zwischen einem Weihbischof und einem Koadjutor?

Es gibt neben dem Weihbischof noch eine andere Form des Helfers: den Koadjutor. Dieser hat das Recht der Nachfolge und würde im Moment von Bonnemains Rücktritt sofort und automatisch der neue Bischof von Chur werden. Im Bistum Chur gibt es aber keinen Koadjutor, denn die Nachfolge ist streng geregelt: Das dortige Domkapitel hat ein historisches Wahlrecht. Ein Weihbischof muss sich diesem regulären Wahlprozess genauso stellen wie jeder andere Kandidat auch.

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