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Lebenselixier mit Sprengkraft

Er ist unabdingbar und gleichzeitig explosiv: der Stickstoff. Die neuste Ausstellung im Bündner Naturmuseum zeigt das Element in all seinen Facetten und Formen. Den positiven und den negativen.

Corinne
Raguth Tscharner
10.04.18 - 08:00 Uhr
Kultur

Was haben Haare, eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, Tonicwasser, Kokain und ein Airbag gemeinsam? Sie alle bestehen unter anderem aus Stickstoff und sind Teil der neusten Ausstellung im Bündner Naturmuseum, die den Titel «Grüner Klee und Dynamit – Der Stickstoff und das Leben» trägt.

«Stickstoff ist ein Stoff, der überall vorhanden ist, aber in unserer Wahrnehmung eine bescheidene Bedeutung hat», sagt Ueli Rehsteiner, Direktor des Museums. Die Brücke zwischen diesen beiden Punkten zu schlagen, sei die Herausforderung der neuen Ausstellung, die ab heute und noch bis August im Museum zu sehen ist.

Gezeigt werden viele Facetten des unsichtbaren und geruchlosen chemischen Elementes, das in Verbindung mit anderen Stoffen allgegenwärtig ist. Interaktive Elemente sollen dabei helfen, diesen wichtigen Stoff für den Besucher begreifbar zu machen. So erfährt er über Experimente, Ausstellungsstücke und Fernsehbildschirme alles über den Nutzen des Stoffes und dessen Geschichte. «Ein wichtiger Punkt ist, den Besuchern bewusst zu machen, wo Stickstoff überall vorkommt», meint Rehsteiner.

Mix aus Biologie und Geschichte

Stickstoff kommt in seiner ursprünglichen Form vor allem in der Luft vor. Rund 80 Prozent der Luft, die wir einatmen, besteht aus Stickstoff. Er ist Bestandteil von DNA und von Zellen und damit unerlässlich für das Wachstum von Pflanzen, Tieren und Menschen.

Ebenso sind Stickstoffverbindungen ein sehr effektiver Dünger und ein zentraler Bestandteil von Sprengstoffen, wie beispielsweise Dynamit. Lange Zeit konnten nur Pflanzen wie Klee oder Erlen den Stoff aus der Luft in den Boden bringen. «Jahrhundertelang war Stickstoffdünger eine begehrte Ware. Er löste sogar Kriege aus», sagt Museumspädagoge Flurin Camenisch. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei es dem Menschen gelungen, den Stoff in fast unbegrenzten Mengen zu produzieren.

«Stickstoff ist ein bisschen eine Zeitbombe und ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird.»

Die Konsequenzen dieses Verfahrens werden auch in der Ausstellung im Bündner Naturmuseum beleuchtet, denn durch die Produktion von Stickstoff gelangen heute grosse Mengen des Elements in die Umwelt. Auch an Orte, wo er ursprünglich von der Natur nicht in grösseren Mengen vorgesehen war. Laut Rehsteiner gehen dadurch Lebensräume und Ökosysteme kaputt. «Das kann aus dem Ruder laufen. Stickstoff ist ein bisschen eine Zeitbombe und ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird.»

 

Corinne Raguth Tscharner ist stellvertretende Chefredaktorin Online/Zeitung und Chefin vom Dienst bei «suedostschweiz.ch». Zuvor erlernte sie das journalistische Handwerk als Volontärin in vier verschiedenen Redaktionen (Print, Online, Radio, TV) und war als Online-Redaktorin tätig. Mehr Infos

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