×

2500 Freiwilligenstunden für Seniorentreff: «Incontro» in Chur lädt zum Zusammensein ein

Bei «Incontro» treffen sich Seniorinnen und Senioren – über einen wichtigen Ort, der nicht selbstverständlich ist.

Bündner Woche
31.08.24 - 10:00 Uhr
Leben & Freizeit

Von Cindy Ziegler

Der Traum ist gross. Ein Ort soll es sein, wo man Gleichgesinnte trifft. Unkompliziert zusammen sein kann. Der Einsamkeit entgegenwirkt. Alles in allem ein Ort, wo man willkommen ist. Zu einer ersten Ideensammlung im Jahr 2018 kamen damals über 100 interessierte Seniorinnen und Senioren. Weit mehr, als die Verantwortlichen erwartet hatten. Das Bedürfnis nach einem Treff für Menschen im letzten Lebensdrittel war gross. Entstanden ist daraus «Incontro». Ein Treff für alle ab 60 Jahren. Seit 2019 gibt es diesen nun. Und in diesem September sollen neue Angebote weitere Bedürfnisse abdecken.

«Wir haben damals schon Luftschlösser gebaut», sagen die Co-Leiterinnen Isabella Augustin-Hitz und Margrit Cantieni Casutt an einem Dienstagnachmittag im Churer Rigahaus. Mit am Tisch sitzen auch die heutige Gastgeberin Ewa Schumacher und der Gastgeber Aldo Fiscalini. Im Hintergrund ist Geplauder zu hören, und wie jemand Spielkarten mischt. Jeden Dienstag- und jeden Donnerstagnachmittag findet hier der Treff «Incontro» statt. 

Und «Incontro», was übersetzt «Begegnen» heisst, wird hier tatsächlich gelebt. Es sind gesellschaftliche Nachmittage. Mit guten Gesprächen und spannenden Spielen. Dazu kommen Themennachmittage und Ausflüge. Und doch, eine Umfrage hat gezeigt, was den Gästen noch fehlt. «Wir versuchen nun etwas Neues», meint Isabella Augustin-Hitz. Sie legt einen Flyer auf den Tisch. «Incontro aktiv». Ab September gibt es weitere Programmpunkte: jeweils am1. Dienstag im Monat «Spiel und Bewegung», am 2. Dienstag «Geschichten zum Zuhören und/oder Mitreden», am 3. Dienstag «Basteln und Handarbeiten» und am 4. Dienstag «Singen für Leib und Seele».

Treffpunkt: Nicht nur die Jugend will sich regelmässig treffen, auch Seniorinnen und Senioren haben das Bedürfnis für regelmässige Zusammenkünfte.
Treffpunkt: Nicht nur die Jugend will sich regelmässig treffen, auch Seniorinnen und Senioren haben das Bedürfnis für regelmässige Zusammenkünfte.
Cindy Ziegler

Niederschwellig und selbstorganisiert

Die Idee ist auch bei den neuen Angeboten die alte. Ein Angebot für Seniorinnen und Senioren, das nichts kostet und niederschwellig ist. «Uns ist es zudem wichtig, dass wir selbstorganisiert arbeiten, sprich ein Angebot von Seniorinnen für Senioren anbieten», erklärt Margrit Cantieni Casutt. Im Hintergrund steht Pro Senectute als Trägerin, organisiert und durchgeführt wird aber alles von rund 15 Freiwilligen. Im letzten Jahr haben sie gemeinsam fast 2500 Freiwilligenstunden geleistet.

Warum aber braucht es überhaupt einen solchen Treff für alle ab 60 Jahren? «Warum denn nicht?», antworten die Co-Leiterinnen mit einer Gegenfrage. Und holen dann aus. Wie die Jugend, für die es entsprechende Treffs gebe, würden auch Seniorinnen und Senioren das Bedürfnis nach Austausch mit Gleichaltrigen haben. Viele andere Angebote gebe es in Chur zudem nicht.

«Mit ‹Incontro› wollen wir in erster Linie der Einsamkeit im Alter entgegenwirken, sodass wir alle möglichst lange gesund bleiben – körperlich und mental», erklärt Margrit Cantieni Casutt. Das sei eine Aufgabe der Gesellschaft. Trotzdem würden die Bedürfnisse von älteren Menschen oft überhört. «Es ist eine Frage der Priorität», meint Isabella Augustin-Hitz. Der Treff sei ein Angebot, das relativ früh ansetze. Dann, wenn man noch fit ist. Von frisch Pensionierten bis zu 100-Jährigen würden alle in den Treff kommen. Das Ziel ist bei ihnen dasselbe: Sozial aktiv bleiben.

Viele schöne Begegnungen und eine grosse Dankbarkeit

Wir kommen zurück zum Luftschloss. «Wenn wir ganz visionär denken dürften, dann stellen wir uns ein Seniorenhaus vor, das immer offen ist. In das man einfach gehen und sich begegnen kann. Wo man Freundschaften schliesst und sich gegenseitig unterstützt. Ein solcher Ort im Kleinformat ist ‹Incontro›.» Und so berichten auch Gastgeberin und Gastgeber von vielen schönen Begegnungen und von einer grossen Dankbarkeit. «Wenn es manchmal traurig ist, weil Menschen nicht mehr kommen, weil sie gestorben sind oder zu krank wurden, dann überwiegt trotzdem das Positive. Das Zusammensein», sagt Aldo Fiscalini.

Inhalt von buew logo
Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Mehr zu Leben & Freizeit MEHR