Die Scartazzinis produzieren bald wieder Strom
Lange ist der Fluss Maira unter die Mühle Scartazzini in Promontogno ungenutzt geflossen. Das hat ein Ende: In wenigen Monaten können rund 400 Häuser in Bergell wieder mit einheimischem Strom versorgt werden.
Lange ist der Fluss Maira unter die Mühle Scartazzini in Promontogno ungenutzt geflossen. Das hat ein Ende: In wenigen Monaten können rund 400 Häuser in Bergell wieder mit einheimischem Strom versorgt werden.
Tief unten im Keller der Mühle von Gian Andrea Scartazzini steht sie noch, die alte Turbine. «Seit meiner Kindheit habe ich diese Turbine beobachtet, die immer still blieb», erzählt der Müller gegenüber Radio Südostschweiz. Genau dieser Gedanke gab Scartazzini den Ansporn, um eine Lösung für das alte Kraftwerk zu finden. Als Müller störe es halt, wenn man das ungenutzte Wasser unter die Mühle sehe.
Genau vor zehn Jahren begann er, die Idee des Projekts für ein Kleinkraftwerk zu entwickeln. «Dass es jetzt in Erfüllung geht, ist eine grosse Freude», so Scartazzini. Ende November sollte eben dieses Wasserkraftwerk Strom für rund 400 Häuser in Bergell liefern.
Felsen abtragen, anstatt zu sprengen
Einer der Knackpunkte des Projekts war die Verlegung der Druckleitung. Mit Experten und Ingenieuren wurden verschiedene Varianten studiert. Bohren oder Sprengen wäre zu gefährlich gewesen. Aus diesem Grund wurde der Fels abgetragen. «Sobald die Trasse bereit ist, können wir mit der Verlegung der Leitung beginnen», erklärt Scartazzini.
Die Geschichte des Kleinkraftwerkes
Das erste Kleinkraftwerk in der Mühle Scartazzini wurde im Jahr 1898 installiert. 1927 beschädigte ein Hochwasser die alte Maschine, deshalb wurde eine neue sogenannte Francis-Maschine installiert. Mit dieser produzierten die Müller Strom für die Dörfer Bondo, Promontogno, Castasegna, Soglio, das Spital und für ihren Betrieb.
Bis 1953 sorgten sie für Licht und Wärme in Teilen des Tals, dann eröffnete das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) seine Kraftwerke und es hab Strom im Überfluss. Die Scartazzinis produzierten Strom noch bis 1960, dann bezogen auch sie die Elektrizität vom EWZ.
Da es im Winter wenig Schnee gab, seien die Bauarbeiten ohne Probleme vorangegangen, sagt Gian Andrea Scartazzini weiter.
Nadja Guetg ist Redaktorin bei Radio Südostschweiz. Ursprünglich kommt sie aus Chur und arbeitete mehrere Jahre als Pressefotografin bei Somedia. Mittlerweile ist ihre Heimat das Oberengadin und sie berichtet als Reporterin über die verschiedensten Themen aus Südbünden. Mehr Infos
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