Wohnen mit Licht und Herz
Das Seniorenzentrum Cadonau in Chur schenkt der Ukraine Licht, das sonst erloschen wäre. Doch auch andere Menschen profitieren von den laufenden Umbauarbeiten, wie eine Kurzreportage der «Büwo» zeigt.
Das Seniorenzentrum Cadonau in Chur schenkt der Ukraine Licht, das sonst erloschen wäre. Doch auch andere Menschen profitieren von den laufenden Umbauarbeiten, wie eine Kurzreportage der «Büwo» zeigt.
von Jasmin Klucker
Licht erfüllt die Gänge, die man vom Eingangsbereich des Seniorenzentrums Cadonau sehen kann. Hier, wo ältere Menschen ihren Lebensabend verbringen. Sei es in einer Wohnung des Betreuten Wohnens mit Zugang zu den Dienstleistungen und Aktivitäten des Seniorenzentrums oder im Seniorenzentrum selbst, das unter anderem auch über eine spezialisierte Station für Menschen mit Demenz verfügt. «Das Wichtigste ist, dass es ein Miteinander ist», erklärt Sandro Demonti, Leiter Pension, stellvertretender Heimleiter und Mitglied der Geschäftsleitung.
Rund um das Seniorenzentrum blühen farbige Blumen, die unzähligen Blätter der vielen Bäume wehen an diesem Mittwochmorgen im Churer Wind. Ein Weg verbindet die jeweiligen Gebäude, die fast alle aus einer anderen Epoche stammen. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie tragen die Namen von Bäumen. Diese spiegeln sich auch in den Farben der verschiedenen Stockwerke der Abteilungen wider, durch die Sandro Demonti führt. Bei der Cafeteria, wo sich die Menschen begegnen, dominieren erdige Töne. Dann folgt der Stamm in Grün, die Blätter in einem erdigen Rotton, die Früchte in einem kräftigen Rot und schliesslich die Krone, über der die Vögel kreisen, in Blau. All dies ist auf einer Tafel im Eingang des Hauses «Platane» dargestellt, die die Stockwerke mit den Zimmernummern zeigt.
Nachhaltig handeln
Laute Geräusche dringen in den Eingang, wenn die Tür sich automatisch öffnet, und viel Staub liegt in der Luft. Dutzende Arbeiterinnen und Arbeiter sind in der Mittagssonne beschäftigt. Das Seniorenzentrum Cadonau wächst; der Rückbau eines ehemaligen Mitarbeitendengebäudes ist in vollem Gange. Hier werden 32 neue Alterswohnungen für Menschen, die noch selbstständig sind, entstehen. «Im Moment sieht es aber eher aus wie ein Emmentaler», sagt Sandro Demonti mit einem Schmunzeln. Diese Beschreibung passt gut zu dem gelben Gebäude, das ohne Fenster dasteht. Die dunklen Löcher fallen sofort auf. Schon lange, bevor Sandro Demonti hier angefangen hat, war es dem Seniorenzentrum wichtig, möglichst nachhaltig zu handeln. Von eigenem Solarstrom bis hin zur Vermeidung von Foodwaste wird auf Nachhaltigkeit geachtet – auch beim Rückbau dieses Hauses. Dank einer Kooperation zwischen dem Bauherrn, der Wilhelm Büchel AG, und Zirkulie – einem Zentrum für zirkuläres Bauen – konnten 55 Fenster für die Aktion «Fenster für die Ukraine» des Vereins Rewin gerettet werden. Dort sollen sie Licht und Wärme schenken. Die Fenster wurden von drei Mitarbeitenden von der Wilhelm Büchel AG sorgfältig ausgebaut und auf Paletten gesammelt. Dort warten sie auf ihren anstehenden Transport direkt in die Ukraine. Um diesen Transport kümmert sich Zirkulie. «Es ist schön zu wissen, dass die Fenster ohne viele Umwege dort ankommen, jedoch wird es je nach Situation einige Zeit dauern, bis sie in Häusern eingebaut werden können», erklärt Sandro Demonti. Seit der gemeinnützige Verein Rewin 2022 die Aktion «Fenster für die Ukraine» ins Leben rief, wurden bereits rund 40 Lkw-Transporte aus der ganzen Schweiz in das Kriegsgebiet durchgeführt.
Doch beim ehmaligen Mitarbeitendenhaus blieb es nicht nur bei den Fenstern, die gerettet wurden. 25 Küchenzeilen, die sich noch in sehr gutem Zustand befanden, wurden in ein Studentenwohnheim nach Zürich gebracht. So wird das Seniorenzentrum Cadonau in Zukunft bei Renovierungen der Anlagen immer darauf achten, wertvolle Teile wiederzuverwenden oder an Orte zu bringen, die sie wirklich benötigen. Mit der Rettung der Fenster schenkt das Seniorenzentrum Cadonau pro Stück einen bewohnbaren Raum, spart 91 Prozent CO2 im Vergleich zu einem neuen Fenster, das in der Ukraine eingebaut werden müsste, und reduziert die Kosten um 80 Prozent im Vergleich zu einem neuen Fenster.
Die Arbeiten gehen weiter, das Cadonau wird wachsen, und neue Menschen werden ein Zuhause finden an einem Ort, an dem Zusammenhalt und Nachhaltigkeit für zukünftige Generationen einen grossen Stellenwert haben. Jeder wird einmal alt, so schliesst sich der Kreis.
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