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Die Schweiz braucht ein Bekenntnis zur Neutralität

Die Weltlage habe sich dramatisch verändert mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine? Seit den 90er Jahren werden viele Kriege geführt (Serbien, Afghanistan, 2. und 3. Irakkrieg, Libyen, Syrien), die uns hätten erschüttern müssen, nicht erst jetzt! Die Lage hat sich aber für uns Schweizer mit dem Krieg in der Ukraine tatsächlich dramatisch verändert, weil die Schweiz sich – in ungewohnter Weise - sehr schnell auf eine Seite dieses Konflikts geschlagen hat. Sie hat am 28.02.22, vier Tage nach Kriegsbeginn, die Sanktionen der EU gegen Russland übernommen und hat damit den Boden der Neutralität verlassen. Dies war ein Schock für viele, und nicht verständlich.
Warum ist bei diesem Krieg so schnell Partei ergriffen worden, statt auf Vermittlung und Konfliktverständnis/Friedensarbeit zu setzen? Die Sanktionen wurden begründet mit «Solidarität mit den westlichen Staaten». Wo blieben die Sanktionen und die Solidarität als andere angegriffen wurden?
Mit der Positionierung des Bundesrates, ist die Bevölkerung bevormundet. Unsere Tradition ist aber, dass wir uns als Bürger selber eine Meinung machen, währendem die Regierung sich zurückhält.
Gut, dass wir bald über die politisch breit abgestützte «Neutralitätsinitiative» (www.neutralitaet-ja.ch) abstimmen können, welche die Neutralität wieder klarer in die Bundesverfassung geschrieben haben möchte: «keine Sanktionen», denn dies ist immer eine kriegsähnliche Massnahme gegen andere Länder, «ausser es sind UNO-Sanktionen», also im Sicherheitsrat einstimmig zu Stande gekommen. «Kein Beitritt zu Militär- oder Verteidigungsbündnissen. Die Schweiz nutzt ihre Neutralität zur Lösung von Konflikten und steht als Vermittlerin zur Verfügung.»
Eine Entwicklung zu mehr Frieden in der Welt beinhaltet, dass die Schweiz sich wieder auf ihre Werte, wie Unparteilichkeit, Schutz der Rechte aller Menschen und Vermittlung unter Streitparteien konzentriert. Sie sollte sich nicht an einen Machtblock anschliessen, damit verrät sie ihre Freiheit und Identität.
Auch die ehemalige Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey wirft der Schweizer Politik Doppelmoral und Mehrdeutigkeit vor. Ob die Schweiz neutral bleiben wolle, müsse geklärt werden. «Und sich nicht über die Hintertüre der Nato annähern.»

Monika Fry
13.08.24 - 18:32 Uhr
Leserbrief
Ort:
Trimmis
Zum Artikel:
Kommentar "Wenn der Alpenfirn sich rötet" von Claudio Willi, 31.7.24 und Berner Politik "Wir wollen frei sein" von Martullo Blocher vom 31.7.24
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Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 ist noch nie eine europäische Nation von einer Grossmacht militärisch angegriffen worden. Putins Russland hat mit seinem brutalen Angriffskrieg gegen das künftige EU-Mitglied Ukraine und damit gegen alle Demokratien in Europa das sicherheitspolitische Gesicht unseres Kontinents unwiderruflich verändert. Das gilt auch für die Schweiz und ihre Aussenpolitik.
Blochers Neutralitätsinitiative verkennt insbesondere, dass sich die Grundlagen seit dem Beitritt der Schweiz zu den Vereinten Nationen und damit zum Bekenntnis zur kollektiven Sicherheit grundlegend verändert haben. Täter und Opfer können nicht mehr gleich behandelt werden.

Die von rechtsnationalistischen Kreisen lancierte und unterstützte Neutralitätsinitiative will die integrale Neutralität in der Verfassung verankern und die Teilnahme an Massnahmen der kollektiven Sicherheit, die nicht vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen wurden, verfassungsrechtlich verbieten. Angesichts der bestehenden Kräfteverhältnisse und der Praxis der UNO-Vetomächte isoliert sie die Schweiz in Europa vollständig und macht die Neutralität als anerkanntes Instrument der Aussen- und Sicherheitspolitik wertlos. Sie verliert an Glaubwürdigkeit, was sich negativ auf ihr Ansehen und ihre Friedenspolitik auswirkt.
NEIN zu dieser extremen, diktatorenfreundlichen und menschenunwürdigen Initiative.
JA zu einer mutigen Haltung der Schweiz, damit unsere Nachkommen stolz auf uns sein können und uns nicht anklagen: Wie konntet ihr solches Unrecht zulassen? Habt ihr aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt?

Der Kommentar von JMZ ist falsch.
Es ist mir zu blöde, die Last des Aufklärers für solch Kopfstehendes jedesmal zu stemmen.
Deshalb bloss ein Beispiel:
Im völkerrechtswidrigen (und OHNE UNO-Mandat) Angriffkriegskrieg der USA-Nato gegen Jugoslawien 1999 (Das Deutsche Fernsehen titelte seine Doku darüber: "Es begann mit einer Lüge") verwendeten die Angreifer notabene menschenverachtenderweise DU-Munition.
Und warum? Damit die USA dort ihre grösste Militärbasis (meines Wissens grösste in Europa) etablieren konnten (das ist stets das Ziel der USA).
JMZ, haben Sie aus der Historie nichts gelernt?

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