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Grossrodung am Hinterrhein für Revitalisierungsprojekt

Ersatzmassnahme am Standort der Ersatzmassnahme
Wie kann das sein? Wie kann ein Wald dieser Grösse, der eigens im Sinne einer Kompensationsmassnahme für einen zuvor verloren gegangenen Gebirgswald vor 60 Jahren (Göriwald im heutigen Staubecken von Sufers) an diesem Ort aufgeforstet wurde, einer solchen Rodung zum Opfer fallen als ob er keinen inneren Wert hätte und die frühere "Ersatzmassnahme" unzweckmässig, undurchdacht und für nichts gewesen wäre?
Wie kann eine derartige Fläche überhaupt ein zweites Mal zu neuen Kompensationszwecken herangezogen werden? Man fragt sich, wie das rechtens sein soll.
Was sicher ist und die Verlautbarungen der zwei Herren Caflisch und Lenz (Entegra Wasserkraft AG und Pro Natura) bekräftigen, ist auf alle Fälle, dass ein Fichtenwald, auch ein gesunder, von manchen Leuten heute als etwas Zweitklassiges und Minderwertiges angesehen wird, das man ohne grosse Skrupel auf einer Länge von rund 1 Kilometer umtun könne. Bloss ein "monotoner Fichtenwald". "Er mag dem Auge zwar schön erscheinen, aus ökologischer Sicht hat er aber wenig Wert".
Ich durfte an einem Hitzetag kürzlich auf einer Wanderung von Nufenen nach Splügen nicht bloss die herrliche Waldeskühle am vorbeifliessenden jungen Rhein geniessen, sondern auch Bekanntschaft machen mit einer Vielzahl an Waldlebewesen von Schmetterlingen, Wildbienen bis zu Ameisen in etwa fünf ihrer kunstvoll errichteten Tannnadelhaufen. Blumen, Sträucher und abseits des Weges ein federnder, gesunder Waldboden. Eine Freude.
Bald wird es dort anders aussehen. Wie andere geschrieben haben, wird dort für sehr lange Zeit Geröll und Kies dominieren und wenig spür- und sichtbar sein von mehr Leben und naturnaher Schönheit, wie sie nun zur Beschwichtigung hervorgestrichen wird.
Ein anderer Aspekt ist erwähnenswert. Ich erinnere an das Hochwasser von 1868, das die ganze Medelser Äbi mitsamt ihrem nun hochgepriesenen "verlorenen Auengebiet" überschwemmte und dort die Brücke zum ehemaligen Landsgemeindeplatz wegriss. Ein Jahrhundertereignis, gewiss. Aber es kann gerade unter heutigen klimatischen Vorzeichen wieder passieren.
Auch rückt der Wanderweg und mit ihm winters die Langlaufloipe mit der Massnahme bedeutend näher an die Lawinenzüge rechtsrheinisch heran, was auch aus Sicherheitsgründen suboptimal ist.
Die für den Tourismus bedeutsame Route wird in naher Zukunft nicht mehr durch schützenden Wald führen, sonders entlang von monotonen Kiesbänken und verzweigten Rinnsalen des Hinterrheins.

Elisabeth Hasler-Stoffel
22.08.24 - 11:22 Uhr
Leserbrief
Ort:
Hinterrhein
Zum Artikel:
https://www.suedostschweiz.ch/graubuenden/hinterrhein-revitalisierung-g…
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