Bedrohliche Zustände in Chur – Beobachtungen
In den letzten Monaten habe ich als Einwohner dieses Kantons und regelmässiger Besucher der Hauptstadt Chur beunruhigende Entwicklungen beobachtet. Die Vorfälle häufen sich, und der Zustand der Stadt entwickelt sich in eine gefährliche Richtung. Im Rigapark wird nicht nur das beinahe schon „normale“ Marihuana konsumiert und gedealt, sondern auch härtere Drogen sind an der Tagesordnung. Alkoholismus unter Jugendlichen ist anscheinend ebenfalls ein Dauertrend. Dies geschieht ungehindert und in aller Öffentlichkeit.
Erst kürzlich wurde ich Zeuge, wie ein aggressiver Mann mit deutschem Akzent Jugendliche auf offener Strasse rassistisch beschimpfte und mit einer Würgekette bedrohte. Solche Vorfälle sind keine Einzelfälle, sondern Teil der Stadtszene in der Altstadt, am Bahnhof und in den Parks. Ein offensichtlich hoch instabiler Drogensüchtiger verhielt sich am Wochenmarkt so aggressiv, dass sich Standbetreibende sowie Besucherinnen und Besucher bedroht fühlten. Und beim Arcas wird durch Autoscheiben gedealt, als wäre es das Normalste der Welt.
Wie passen solche Vorfälle zur Wachstumsstrategie der Hauptstadt Chur? Soll sich Drogen- und Alkoholkonsum selbst regulieren und immer mehr Dealer anziehen? Kann dies im Sinne einer Stadt sein, die als sicherer und attraktiver Lebensraum gelten möchte?
Der Schutz und das Wohlbefinden aller Einwohnenden und der Umwelt müssen Priorität haben. Es darf nicht zu einer Abwärtsspirale kommen, nur um an bestimmten Stellen zu sparen und das Wachstum fortzusetzen. Stattdessen muss die Suchtproblematik an der Wurzel angegangen werden. Es gilt, ein klares Zeichen zu setzen, dass Drogenhandel und -konsum unerwünscht sind und konsequent dagegen vorgegangen wird.
Die Abstimmung im Juni 2024, bei der sich 66,06 Prozent der Churer Bevölkerung für einen Drogenkonsumraum entschieden haben, zeigt, dass die Stadt bereit ist, neue Wege zu gehen. Der geplante Pilotbetrieb soll nicht nur einen sicheren Raum für Drogenkonsum bieten, sondern auch die offene Drogenszene eindämmen. Aber braucht es eine Pilotphase, um dem Drogen- und Alkoholmissbrauch entgegenzuwirken? Gibt es alternative, effizientere Massnahmen?
Wo will die Stadt als Gesellschaft hin? In welcher Umgebung wollen wir leben und uns entwickeln? Nur wenn wir uns diesen Fragen ernsthaft stellen, können wir verhindern, dass die Hauptstadt weiter in einen schleichenden Verfall gerät. Es ist an der Zeit, gemeinsam zu handeln – im Interesse aller Einwohnerinnen und Einwohner.
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Gegen den Drogenkonsum und …
Gegen den Drogenkonsum und -Handel vorzugehen, ist ein altes Anliegen. Es handelt sich dabei aber nicht um Ursachen- sondern um Symptombekämpfung. Sehr viele Drogenabhängige (inkl. Alkohol- und Tabaksüchtige) sind unglücklich und perspektivlos - auch wenn natürlich auch Leute abhängig werden können, welche mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Bestrafen und ausstossen nützt nichts. Auch die mächtigen Drogenbosse kann man auf diese Weise nicht bestrafen. Werden in der menschlichen Gesellschaft randständige und einsame Menschen mit einbezogen, damit es nicht zum Absturz kommt? Nein, dies tun wir nicht!