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Biodiversitätsinitiative

Ich bin für ein überzeugtes Ja zur Biodiversitätsinitiative, aber auch dafür, dass eine naturkompatible Landwirtschaft unterstützt, ja am Leben erhalten wird. Bei den diversen Voten des Bauernverbandes und vieler Landwirte zur Initiative frage ich mich aber, wieso man noch immer die aktuelle Landwirtschaftspolitik durch alle Böden hindurch verteidigt. Die negativen Einflüsse dieser Politik auf die Umwelt, also auch auf uns Menschen, sind durch diverse Studien eindeutig bewiesen. Ein Beispiel ist die schädlichen Subventionen, welche falsche Anreize schaffen (durch den Bund selbst festgestellt) und mehr schaden als nützen.
Zur Behauptung, dass 30% der landwirtschaftlich genutzten Fläche bei der Annahme der Initiative verloren gehen und der Selbstversorgungsgrad dramatisch sinke ist folgendes zu sagen. Auf ca. 40% der heute bewirtschafteten Ackerfläche werden Futtermais und keine direkt für die menschliche Ernährung nutzbaren Pflanzen (Weizen, Kartoffeln etc.) angebaut. Tatsache ist aber auch, dass es in der Schweiz gar nicht möglich ist, den jetzigen Wert des Selbstversorgungsgrades von ca. 55% beträchtlich zu steigern. Wieso? Weil auch unsere theoretisch zur Verfügung stehende landwirtschaftlich nutzbare Fläche niemals reicht um die momentan 9 Millionen Einwohner und dazu noch den Bevölkerungszuwachs der nächsten Jahre sowie die X-Millionen Touristen zu ernähren. Dagegen könnte man z. Bsp. die Erträge mit Chemie und Genmanipulation stark erhöhen oder das Lebensmittelangebot drastisch reduzieren etc. Das bedeutete aber ein Abbau der Lebensqualität, was die wenigsten möchten.
Um den Landwirten ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen ist die Bevölkerung aber bereit ihnen für eine naturnahe Bewirtschaftung des Bodens Subventionen zu gewähren. Dass es ohne solche nicht möglich ist eine hohe Biodiversität zu erreichen ist den meisten Leuten bewusst.
Neben der Kritik an den Landwirten ist aber auch die Verbürokratisierung in fast allen Bereichen zu hinterfragen. Die Landwirte haben diesen Beruf aus Freude und Leidenschaft erlernt. Bei den zunehmenden Vorschriften, erdacht und vorgegeben durch diverse Schreibtischtäter des Bundes, fragt man sich ob ein Landwirt auch noch eine KV-Zusatzlehre absolvieren sollte, um alle Vorgaben zu erfüllen und dokumentieren. Vielleicht kommt bald eine Vorschrift die Alpendisskusse (Kuhfladen) mit Sensoren genaustens zu dokumentieren. Für was auch immer.

Franco Giovanoli
03.09.24 - 03:06 Uhr
Leserbrief
Ort:
Haldenstein
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Ich würde es begrüssen, wenn der Leserbrief im E-Paper und in den gedruckten Zeitungen publiziert würde.
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