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Der fatale Mangel an langfristiger Finanzplanung in Chur

Was für ein Wirrwarr! Nach einer Nettoverschuldung von 102 Millionen in 2014 hatte man 2015 ein Vermögen von 283 Millionen. Plötzlich war finanziell alles möglich. Dieses Wunder schaffte man mit der im neuen Rechnungslegungsmodell vorgeschriebenen Aufwertung von Baurechtsgrundstücken und Liegenschaften. Seither schloss die Stadt unter Anwendung des gleichen Tricks mehrmals mit einem Multimillionen Plus ab. Dass Immobilien rasch an Wert verlieren können, zeigt die Wirtschaftskrise 2008 in z.B. den USA. Dann haben wir statt eines Vermögens Nettoschulden. Interessant dabei ist, dass wir am 22. September entscheiden sollen, ob die Stadt ein Grundstück in City West UNTER dem Marktwert abgeben soll! Das ist einfach nur prinzipienlos!
Seit November 2022 ist es klar, dass in Chur Grossprojekte auf der Kippe stehen, weil sich die Stadt zu viel vorgenommen hat. Im Juni 2023 hiess es dann, dass die Uffa-Bahn neu mit Kosten von 35 statt 24.4 Millionen Franken zu rechnen hat und andere Vorhaben werden mit Sicherheit auch teurer. Im September 2023 forderte der Stadtrat eine Einsparung ab 2025 von 700’000 Franken bei der Churer Stadtschule. Vor einem Monat weit waren es dann weitere Sparmassnahmen, um die Finanzierung von z.T. überdimensionierten Projekten nicht zu gefährden. Das Volk hatte diese Projekte abgesegnet, aber im Glauben, dass die Finanzexperten in der Regierung des langfristigen Denkens mächtig sind, was sich zunehmend als Irrtum erweist.
Nach Araschgen, Maladers und Haldenstein soll nun auch Tschiertschen-Praden mit Chur fusionieren. Das sind Ortschaften mit steilen Gebieten, die anfällig sind für Extremhochwasser und Murgänge, die als Folge des Klimawandels häufiger werden. Da werden noch Kosten auf uns zukommen, mit denen wir nicht gerechnet haben.
Es ist klar, dass wir sparen müssen, aber das genügt bei weitem nicht. Projekte müssen priorisiert und z.T. verschoben und redimensioniert werden. Hören wir mal auf, Probleme für unsere Nachkommen anzuhäufen! Die werden mit Problemen zu kämpfen haben, die wir, wie Corona und der Ukrainekrieg zeigt, nicht mal erahnen können.

Fritz Schulthess
05.09.24 - 09:17 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Churer Sparpaket «völlig unnötig» – oder drohen sonst «250 Millionen Schulden»? Südostschweiz 5. September 2024
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