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Sparübung der Stadt Chur

Geschätzter Reto Küng, meine Familie ist langjähriger Aktionär der Bergbahnen Chur-Dreibündenstein AG (BCD AG). Entsprechend informiere ich mich über den Gesundheitszustand des Patienten Brambrüeschbahn und erlaube mir, einen Palliativpatienten zu benennen, wenn ich einen vor mir habe. Ihr emotionaler Tsunami auf meine sachliche Kritik im Leserbrief vom 30. August 2024 in Ehren, doch lassen Sie uns bei jenen Fakten bleiben, welche der Bevölkerung am 19. Mai 2019 in der Abstimmungsbotschaft verkauft wurde: «Brambrüsch gilt als ganzjähriges Churer Naherholungsgebiet», wobei das Wintergeschäft eine tragende Säule darstellt und so auch mehrseitig argumentiert wurde. Sie, in Ihrer Funktion als Mitglied des Verwaltungsrats der Bergbahnen BCD AG, verantworten das Ressort Kommunikation. Entsprechend dürfte Ihr aktuelles, ehrliches Statement in der Südostschweiz vom 5. September auf meinen Leserbrief, künftig vielen ChurerInnen helfen zu erkennen, dass ein Investment in die Brambrüeschbahn ein Fass ohne Boden darstellt. Dabei täuscht auch Ihr Argument der verkauften Jahresabos zum aggressiven Discountpreis nicht hinweg. Wurde zwischenzeitlich – immerhin sind es fünf Jahre hin – genügend Rendite erwirtschaftet, um die 2 Millionen Franken Reserven zu erfüllen, welche die Stadt seinerzeit als Bedingung für die grosszügige Finanzspritze gestellt hat? Wohl kaum! Ihr persönliches Feuer für den Risikosport Downhill-Biking teilen möglicherweise auch nicht alle ChurerInnen. Erlauben Sie mir noch ein bisschen mehr zu lamentieren und mit der Farce «Churer Naherholungsgebiet» aufräumen: Am Samstag, 31. August um 12 Uhr mittags präsentiert sich bei bestem Sommerwetter der Parkplatz vor der Brambrüeschbahn wie so oft: Über 80% der parkierten Fahrzeuge stammen ausserhalb von Graubünden. Soll die Churer Bevölkerung tatsächlich nahezu 40 Millionen – Einschätzung von Stadtpräsident Urs Marti in der Südostschweiz – investieren um das Freizeitvergnügen von ausserkantonalen Bikern zu finanzieren? Da Chur heute sparen muss, wäre es an der Zeit, die emotionalen Kindheitserinnerungen beiseite zu legen und die Brambrüeschbahn in Würde untergehen zu lassen. Das damit frei gewordene Geld kann optimal in Kultur, Bildung und Sport investiert werden. Das dient wesentlich mehr der Stadtbevölkerung, als eine Bahn, die in den letzten zwei Jahrzehnten am finanziellen Tropf der Stadt Chur hing und dies mit absoluter Wahrscheinlichkeit auch künftig tun wird.

Venanzi Vincenz
05.09.24 - 09:45 Uhr
Leserbrief
Ort:
Lenzerheide
Zum Artikel:
Informieren statt lamentieren, Leserbrief von Reto Küng
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