Nahost: Völkermord vor kolonialistischem Hintergrund
Der recht einseitige Umgang der Schweizerischen Medien mit dem Nahostkonflikt, der sich aktuell gerade als Krieg in Israel, Gaza und dem Libanon zeigt, steht stellvertretend für einen grundlegenden, ungelösten, postkolonialen Hintergrund, wie an vielen anderen Orten auf der Welt. Überall wo die früheren, europäischen Kolonialmächte - England, Frankreich, Belgien, Niederlande, Spanien, Portugal etc. - Ländereien auf andere Kontinenten in Besitz genommen haben, gab und gibt es Nachfolgekonflikte, die nur auf der Basis der damaligen kolonialen Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalt verständlich sind und sich oft in hochkomplexe Auseinandersetzungen mit anderen, lokalen Problemen weiterentwickelt haben.
Die Nachwirkungen sind bis heute auch in einem durch die ehemaligen Kolonialmächte entwickelten, internationalen und heute praktizierten Völkerrecht erlebbar, das in der Umsetzung bis heute unvollständig dekolonisiert wurde und den ehemaligen, kolonisierten Nationen und Völkern bis heute nie vollständige Gerechtigkeit gebracht hat - Stichwort: Reparationszahlungen. Der Kolonialismus ausgehend von Europa (wie auch anderenorts) muss darum als einer der folgenschwersten Gründe von Fehlentwicklungen in der Weltgeschichte mit Auswirkungen bis zum heutigen Tag betrachtet werden. Aktuell können wir gerade im US-amerikanischen Wahlkampf das unausrottbare, koloniale Gedankengut - sich als solches entlarvend - auch im Ausspruch von Kamala Harris „USA is the greatest nation on earth“ erleben.
Ohne diesen postkolonialen Aspekt des Hintergrundes sind Berichterstattungen von in der Schweiz und Europa bedrohten Juden und jüdischen Einrichtungen und von weiteren, islamistisch-motivierten Anschlägen aktuell nicht zu verstehen. Der oft sehr einseitige Versuch heute die jüdische Kultur in ihrem unzweifelhaft grossen Reichtum darzustellen, kann nicht erfolgreich sein, wenn der Völkermord der Israeli in Gaza - für viele Menschen vom gleichen Volk ausgehend - ausgeklammert wird. Die nur post-kolonial verstandenen „Bösen“ werden den „Guten“ gegenübergestellt, was so in dieser Vereinfachung unhaltbar ist.
Die einzig erfolgreiche Lösung - wie schwierig deren Umsetzung auch sein mag - ist die Begegnung aller Kulturen der Welt in gegenseitigem Respekt auf Augenhöhe, ganz speziell nach einer erfolgreichen, komplett umgesetzten Entkolonisierung. Es wird Zeit diese endlich umzusetzen ohne sich weiterhin nur mit deren Folgekonflikten zu beschäftigen und an diesen zu verzweifeln.
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Leider wird heute jede…
Leider wird heute jede Kritik an der Politik des Staates Israel als antisemitisch bezeichnet. Israel muss Kritik zulassen und darf nicht jede unliebsame Äusserung in den grossen Antisemitismus-Topf werfen, denn Antisemitismus ist strafbar.
Es ist wichtig, zwischen legitimer Kritik an der israelischen Politik und antisemitischen Äusserungen zu unterscheiden.
Der Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Antisemitismus bezeichnet die Feindschaft gegen Juden als solche. Er ist eine Form von Diskriminierung und Hass, die sich gegen Juden als ethnische, religiöse oder kulturelle Gruppe richtet. Antisemitismus kann sich in verschiedenen Formen äussern:
- Religiöser Antisemitismus (z.B. Schuld am Tod Jesu)
- Wirtschaftlicher Antisemitismus (z.B. Stereotype über jüdischen Reichtum)
- Rassistischer Antisemitismus (z.B. Vorstellungen von einer "jüdischen Rasse")
Antizionismus richtete sich ursprünglich gegen die zionistische Bewegung und die Idee eines jüdischen Nationalstaates. Heute bezieht sich der Begriff häufig auf
- Die Ablehnung der Existenz des Staates Israel
- Die grundsätzliche Kritik an der Aussen- und Innenpolitik Israels
- Forderung nach der Auflösung des Staates Israel
Wenn ich schreibe: 49'000 tote Palästinenser im Gazastreifen kommen einem Völkermord gleich und überschreiten jedes Mass der Selbstverteidigung. Israel muss endlich das palästinensische Volk anerkennen und alles für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben tun.
Ist dies antisemitisch oder antizionistisch?