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Alterssuizide

Was für eine Gesellschaft wollen wir?

Diese Frage stellte sich nach der Veranstaltung vom 11.9.24 in Cazis zum politischen Vorstoss, alle Bündner Heime zur Zulassung von assistiertem Suizid in ihren Räumlichkeiten zu zwingen.

Die Referenten haben auf die verpassten Chancen als Folge assistierter Suizide für Sterbende und die zum Teil traumatisierenden Folgen für Angehörige und Pflegende hingewiesen. Der suizidale Mensch leidet an Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit, Verbitterung, unüberwindlich erscheinende Schmerzen oder körperlichen Problemen. Hier braucht ein Mensch Zuwendung und Hilfe, um die nächsten Schritte, zur Lösung seiner Probleme, anzugehen.

Diese Aufgabe meistern die Bündner Pflegeheime sehr gut, ist doch die Nachfrage nach assistiertem Suizid sehr gering. Die Forderung, alle Heime zu zwingen, assistierten Suizid in ihren Räumlichkeiten zuzulassen, widerspricht dem freiheitlichen Grundverständnis der Demokratie. Für Menschen, die assistierten Suizid begehen wollen gibt es Heime mit dieser Möglichkeit. Der Vorstoss übergeht aber die Menschen, die in ihrer letzten Lebenszeit nicht mit Suiziden konfrontiert sein wollen.

In Heimen, in denen assistierter Suizid durchgeführt wird, kann sich das Klima ändern. Sterbewünsche werden zunehmen. Die alten Menschen fühlen sich als Belastung und bekommen Schuldgefühle, zuviel Pflege in Anspruch zu nehmen. In der Schweiz ist die Anzahl assistierter Suizide heute höher als sonstige Suizide! Wollen wir, dass – wie in den Niederlanden heute üblich – unsere Eltern und Grosseltern dazu gedrängt werden, endlich einem assistierten Suizid zuzustimmen? Schwerkranken Menschen wird dort geraten, mit assistiertem Suizid das Leben zu beenden, statt ihnen lindernde palliative Behandlung zuzugestehen. Und dies trotz heutzutage deutlich verbesserter Möglichkeiten z.B. Schmerzen zu behandeln.

Das vorzeitige Ausscheiden aus dem Leben verhindert Versöhnung des Verstorbenen mit sich, der Welt und den Angehörigen. Die spirituelle Dimension, die oft erst am Lebensende Bedeutung erlangt, erlaubt tiefe und bedeutende Erlebnisse für den Sterbenden und seine Nächsten, was die nächste Generation durchs Leben trägt. Mitmenschlichkeit statt Angst gewinnt Überhand. (vgl. www.kein-zwang-gr.ch)

Monika Fry und Lutz Geisen, Trimmis

Monika Fry
18.09.24 - 09:57 Uhr
Leserbrief
Ort:
Trimmis
Zum Artikel:
Trauer besser nicht unterdrücken 11.9.24
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Monika Fry, den Artikel "Trauer besser nicht unterdrücken" muss ich erst heraussuchen. Vorliegend zunächst zu Ihrem Leserbrief:
Ich sehe bei Ihnen bzw. bei den "Referenzen" Grundlegendes falsch.
Der Clou ist: SIE wollen IHRE Meinung anderen aufzwingen, während umgekehrt die Sterbehilfe allen Menschen die freiheitlich WAHL lässt (Achtung vor der Deutungshoheit).
Dem "freiheitlichen Grundverständnis der Demokratie" entspricht die Selbstbestimmung (Freiheit) des Individuums. Also NICHT dem Zwang, aufgrund einer willkürlichen Heimleitung, das zu verbieten, was in Privaträumen sonst in der Schweiz überall erlaubt ist. Das würde nämlich einem Rauswurf eines Vulnerablen aus seiner gewohnten (Heim-) Umgebung bedeuten (zumal in einem Zustand oft verminderter oder fehlender Transportfähigkeit), bloss weil örtliche Obrigkeit (alias "Platzhirsche") sich selbst wichtiger nimmt als das heilige Recht eines Sterbenden. Merke: Diese Achtung vor dem Sterbenden zeigt sich etwa in der "Erfüllung des letzten Wunsches" oder der "Henkersmahlzeit" für Delinquenten, wobei es sich bei Sterbehilfe sogar um Unschuldige handelt. Umso verwerflicher finde ich die penetrante Einmischung in die höchste private Sphäre eines Menschen seitens Ideologen, die dies, erst recht als Aussenstehende, nichts angeht.
In Heimen sollte grundsätzlich mindestens so viel Recht gelten wie in der Schweiz überhaupt. Und erst recht, wenn dieses Heim Staatsgelder kassiert.
Die Mehrheit des Volkes will Selbstbestimmung betreffend Sterben. Oder warum, glauben Sie, sagte Woody Allen: "Ich habe keine Angst vor dem Sterben, ich will nur nicht dabei sein, wenn es passiert"?
Siehe meinen Kommentar:
https://www.suedostschweiz.ch/aus-dem-leben/2019-11-11/luag-emal-aetti-…
PS: Der Behauptung von Frau Fry und Palliativ Care und Sterbehilfegegnern generell (quasi à la Werbeslogan von Verona Feldbusch DA WERDEN SIE GEHOLFEN https://www.youtube.com/watch?v=2XxNoQ8V0eY ), sinngemäss lautend, dass ein Mensch in der Schweiz nicht leiden müsse, man ihm in jedem Fall helfe, so dass er nicht leiden müsse, widerspreche ich. Die Realität erlebe ich anders. Und zwar sowohl Sterbende betreffend, als auch Menschen, die noch genug Ressourcen besitzend für Gesundheit und Heilung alles tun möchten. Ich forsche seit Jahren auf diesem Gebiet, dokumentiere Fallbeispiele. Mein Fazit: Es gibt so viel Beschönigungen, PR, Bluffs. Aber das, was zählt, sollte derjenige wissen und vorausschauend durchsetzen, der in der Haut des Betroffenen steckt, denn er ist es, der es ausbaden (erleiden) muss.