×

Nahost: die dringenden Notwendigkeit einer "probiotischen Weltsicht"

Wir erleben zur Zeit den zerstörerischen Schlagabtausch zwischen zwei fundamentalistischen Sichtweisen aus der verengten, verängstigten und „sauerstoffarmen“ Sicht zweier mit dem Leben bedrohten Tiere, die aus einem Bombenunterstand bei einer Gefechtspause mit angstverzerrten Augen („Fight or Flight“) in den nahöstlichen Himmel blicken. Diese Sicht entbehrt jeder Tendenz eines Prozesses, die mit Hilfe von Weisheit die einzig sinnvolle Lösung sucht - den Frieden.
Die Völker, die im Nahen Osten sich im Krieg befinden, sind beide kollektiv vortraumatisiert - insbesondere vor dem Hintergrund von post- und neokolonialen Entwicklungen. Dem Völkermord bei der Geiselnahme und dem wahllosen Morden in Israel steht der anhaltende Völkermord im Gazastreifen gegenüber. Wir erleben hier eine weitgehend enthemmte, pathologische Auslegung des alten Testaments „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.
Packen wir die wahren, tieferen Hintergründe dieser Katastrophe an, in dem wir beispielsweise unsere Welt flächendeckend „entkolonialisieren“. Hierzu ist zum Beispiel die neue Ausstellung im Landesmuseum Zürich „kolonial - Globale Verflechtungen der Schweiz“ ein guter Ansatzpunkt.
Die „antibiotische Weltsicht“ - nach der es überall darum geht, die „Bösen“ mit immer raffinierteren Waffen auszurotten - funktioniert weder in der modernen Schulmedizin, noch bei Auseinandersetzungen in der Weltgemeinschaft. Das Resultat sind die „Resistenzen“, die sich im Nahen Osten als gegenseitiger, weiter anwachsender Hass zu einer toxischen „Atombombe“ in einer Gewaltspirale dreht. Willkommen im Reich des Menschen als „Krone der Schöpfung“ ! Leider versagt hier auch die internationale Gemeinschaft auf beiden Seiten darin, dieses unsäglichen Treiben einzudämmen, ihm ein Ende zu setzen oder eine Perspektive in Richtung Frieden zu schaffen.
Was wir dringend benötigen, ist eine „probiotische Weltsicht“. Diese bedeutet einmal v.a. „für das Leben“ und die Lebensbejahung in einer vielseitigen, toleranten Gesellschaft, die bereit ist Kompromisse miteinander auszuhandeln. Dieser Ansatz wird ausgehend von der Integrativen Medizin in Richtung Schulmedizin getragen; statt scheinbar raffiniertem Overkill gegenüber immer weiter und erneut auftretenden „bösen Viren und Bakterien“, das Erwachen in eine heute bekannte, probiotische Koexistenz von sich gegenseitig benötigenden und unterstützenden Gemeinschaften und ihren Ökosystemen. Lasst uns „Probiose“ statt „Antibiose“ leben, heute, überall und auf allen Ebenen !

Thomas Rüedi
21.09.24 - 11:30 Uhr
Leserbrief
Ort:
Domat/Ems
Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.