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Wer deckt die externen Kosten des Autofahrens?

Es wird immer wieder behauptet, dass der Autobahnausbau vollumfänglich mit Autosteuern und Benzinzölle finanziert wird. Die decken aber nicht die externen Kosten, d.h. die Folgekosten bedingt durch Schäden an Klima, Umwelt, Gesundheit etc., die durch Mobilität entstehen, aber nicht von den Verkehrsteilnehmern selbst getragen werden. Diese betragen gemäss Bundesamte für Raumentwicklung 19.5 Milliarden Franken, 70% davon verursacht durch den Privatverkehr.
Aber das ist nur ein Teil der externen Kosten. Viel höhere Kosten fallen in Ländern wie dem erdölreichen Nigeria an, wo ich lange gelebt habe. Laut eines UNDP-Berichts gab es zwischen 1976 und 2001 in Nigeria fast 7000 Erdölunfälle. Riesige Gebiete mit ihren Gewässern sind irreversibel zerstört. Das Volk und ihre Nachkommen haben ungeheure Kosten zu tragen, ohne vom Reichtum zu profitieren, denn natürliche Ressourcen sind in solchen Ländern wie Honigtöpfe für ein paar Auserwählte.
Länder wie Nigeria subventionieren unser Wirtschaftswachstum und Lebensstil. Das gilt v.a. für die Schweiz, dem weltweit wichtigsten Handelsplatz für Rohstoffe, dessen Handel 10% unseres BIPs ausmacht. Es ist also nicht nur Innovation und Fleiss, dem wir unseren Wohlstand zu verdanken haben.
Würde man bei den Kosten verursacht durch den Strassenverkehr das Verursacherprinzip anwenden, gäbe es keine Staus, weil man sich die Kosten (Fahrzeug) teilen oder auf ÖV umsteigen würde. Stattdessen werden diese Kosten auf unsere Nachkommen abgewälzt.. Wie die letzten paar Jahre zeigen, verläuft die Geschichte nicht linear und unsere Nachkommen werden mit Problem konfrontiert werden, die wir jetzt nicht mal erahnen können. Wir sind eine Gesellschaft, die von Verlustängsten geplagt und nicht gewillt ist sich anzupassen. Ich glaube, das nennt man Dekadenz.

Fritz Schulthess
14.11.24 - 21:09 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Verschiedene Artikel, Südostschweiz
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Der Mensch hat die unheilvolle Eigenschaft zu verdrängen, was er nicht wahrhaben will. Oder Ausreden zu seinem Verhalten zu suchen, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Das menschliche Verhalten ist auch nicht darauf ausgelegt, langfristig zu denken. Wir sind nur am Jetzt und am kurzfristigen Morgen interessiert.