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Ein paar Gedanken zum gewünschten Autobahnausbau

Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen der geplanten sechs Projekte, die am 24. November 2024 zur Abstimmung kommen, überzeugt sind, dass sie damit die Stauprobleme lösen können.
Schliesslich werden weltweit pro Tag (!) 165‘000 Automobile gebaut. Jedes dieser Dinger benötigt ein paar Quadratmeter kostbaren Landes auf unserem Planeten. Auch dann, wenn sie nur stehen. Nun sind es aber „…Mobile“. Also müssen sie auch bewegt werden. Je schneller sie bewegt werden, umso mehr Platz benötigen sie. Das ist ein Naturgesetz.
Vier von den sechs geplanten Autobahnabschnitten befinden sich in grenznaher Umgebung (Genf, Basel, Schaffhausen und St. Gallen). Es ist anzunehmen, dass sich auf diesen Abschnitten sehr viele Grenzgänger bewegen. Ein Grenzgänger wird den Treibstoff wohl kaum in der Schweiz kaufen, sondern in seiner Heimat, wo der begehrte Saft halt doch 5-10% günstiger ist.
Der Bundesrat sagt, die 4‘900‘000‘000 Franken der Investitionskosten werden aus dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfond bezahlt. Wer zahlt in diesen Fond, wenn nicht die Autofahrer (auch Schweizer) der grenznahen Regionen? Wohl nicht umsonst sieht der Bundesrat eine Erhöhung der Mineralölsteuer in der nahen Zukunft als mögliches Szenario. Die Begründung, dass die zunehmende Anzahl Elektroautos dies nötig macht, ist unzureichend.
Wird die Vorlage angenommen so frage ich mich, wer leistet die mehr als 15‘000‘000 Arbeitsstunden in den Planungsbüros und auf den Baustellen? Die einheimische Bevölkerung wird wohl stark in der Minderheit sein. Dank Unterstützung der ausländischen Arbeitskräfte werden wohl sehr viele zusätzliche Autokilometer gefahren, was der Verkehrsberuhigung wohl kaum dienlich ist.
Gibt es eine reelle Lösung? So lange, dass wir möglichst im Paradies wohnen wollen und zig Kilometer Arbeitsweg in Kauf nehmen, solange wir in jeder Minute Freizeit zig Kilometer auf Erlebnistour sind, solange wir die freie Markwirtschaft in den Vordergrund stellen und statt einer Lieferfirma gleich deren fünf haben, solange nur eine Person im Auto sitzt, statt vernünftigen Fahrgemeinschaften, solange gibt es wohl nur eines: in den sauren Apfel beissen. Denn auch bei Annahme der Vorlage bleiben uns die Staus erhalten!

Enrico Pirovino
15.11.24 - 20:11 Uhr
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Igis
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Wenn man beim Bau von Strassen "Lücken" füllt, werden an anderer Stelle neue Lücken und Engpässe entstehen. Ein Hauptproblem der Mobilität ist, dass es nicht gelungen ist, überall so viele Arbeitsstellen zu schaffen, wie in einem gewissen Gebiet Menschen wohnen, damit eine übermässige Mobilität gar nicht erst entsteht. Die Leute hätten auch mehr Freizeit, wenn sie nicht weit pendeln müssten. Dieses Problem zu lösen, ist vorläufig eine Utopie, worüber aber gar nicht erst gesprochen wird.

Im Paradies wohnen? Es aber durch das Motorenmeer konterkarieren (zerstören)?
Die Lösung gemäss Logik (Naturgesetzen) kann nur lauten: Verursacherprinzip und Anreizsystem. Das heisst: Im Paradies (immissionsfrei) wohnen darf nur, wer keine Emissionen erzeugt.
Ich habe kein Motorfahrzeug, verzichte auf Rasenmäher/Laubbläser, knalle keine Türen etc., bin Nichtraucher und belästige Nachbarschaft auch nicht mit Chemie, Parfümschwaden, Sprays, Nagelstudio, LED-Lichtsmog.
Das heisst, entscheidende (Kriterien fürs Paradies) sind Stille (Lärm) und Waldbaden/Luft (Chemie, Rauch, Feinstaub).
Dirk C. Fleck (Journalist und Romancier) «Über den Ernst der Stunde und das Ende der Zivilisation». «Wir reden über alles Mögliche, nur nicht darüber, dass wir seit Jahrzehnten in unser Wohnzimmer urinieren, aber nicht unsere Lebensweise hinterfragen, sondern einzig über die Saugfähigkeit des Teppichs diskutieren»
Youtube: Dirk C. Fleck: «Wir sind nicht mehr zu retten.(?)» (Interview Julia Szarvasy)
https://www.youtube.com/watch?v=4wQtpb2zUTo

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