Ein elfjähriger Felsberger lässt sich für einen guten Zweck die Haare wachsen
Ben Huttenburg hat ein eigenes Projekt. Er lässt aus gutem Grund seit drei Jahren seine Haare wachsen.
Ben Huttenburg hat ein eigenes Projekt. Er lässt aus gutem Grund seit drei Jahren seine Haare wachsen.
von Annina Hartmann
Zerzauste, etwas zu lang gewordene Haare. Sie mögen sich bestimmt noch an die sogenannten Lockdownfrisuren erinnern. Die Frisuren, welche entstanden sind, als wir einige Wochen zu Hause bleiben mussten und nicht mal ein Coiffeurbesuch erlaubt war. Glück hatten diese Personen, welche eine Coiffeuse oder einen Coiffeur im Hause hatten. Einige nahmen die länger gewordenen Haare als Anlass, etwas Neues auszuprobieren. In dieser Zeit hatte auch der «Man Bun» Hochkonjunktur. Auch heute tragen ihn noch einige Männer.
Auch bei Ben Huttenburg, damals in der ersten Klasse in Felsberg, wuchsen während des Lockdowns die Haare immer weiter. Im Homeschooling machte ihm seine Mutter Anna eine sogenannte Palme, damit er die Rechenaufgaben noch sehen konnte. Als die Geschäfte wieder öffneten und einige zum Haareschneiden stürmten, hatte sich Ben an seine langen Haare gewöhnt und wollte sie weiter wachsen lassen. «Ich war im Internet und habe gesehen, dass andere Kinder ihre Haare wachsen lassen, um diese für Perücken für krebskranke Kinder zu spenden. Da wusste ich, das will ich auch», erklärt Ben. Seine Haare sind aktuell ab Schnittstelle rund 30 Zentimeter lang. Um zu spenden, reichen 25 Zentimeter. Gemessen wird die zu spendende Länge.
«Die Haare wären eigentlich noch länger und wahrscheinlich schon gespendet, leider kam es zu einem Fehlschnitt», erklärt Anna Huttenburg. «Bei einem Coiffeurbesuch wurden etwa zehn Zentimeter anstelle der Spitzen geschnitten. Darum musste Ben sie über einen längeren Zeitraum wachsen lassen.» Nun sei es der Plan, die Haare gegen Ende dieses Jahres zu schneiden und zu spenden, meint der bald Elfjährige. Auch wenn er seine Haare mag, freut er sich, wenn sie ab sind. «Langsam zupft es, wenn ich sie kämme, und sie stören auch öfters.» Ideen für neue Frisuren hat er auch schon.«Ich will dann verschiedene Frisuren von Fussballern ausprobieren», meint er stolz.
Jungs mit langen Haaren, je nachdem auch Anlass für Hänseleien. Nicht so in Bens Klasse. Auch andere Jungs haben lange Haare und haben Ben sogar motiviert, die Haare wachsen zu lassen. Ben nimmts locker, auch wenn er mal als Mädchen betitelt wird. Den Eltern fällt es auch mal etwas schwerer, erklären zu müssen, dass Ben ein Junge mit einem Projekt ist. Der Gedanke, dass Ben die Haare spenden will, macht sie aber auch stolz. Vater Dirk und Mutter Anna betonen auch immer wieder, dass es Bens Entscheid war, die Haare zu spenden.
Spenden kann jede und jeder. Die Haare dürfen jedoch nicht gebleicht oder gefärbt sein. Sie müssen auch gut gepflegt werden und dürfen nicht verfilzten. Wenn sie dann die vorgegebene Länge erreicht haben, können die Haare beim Coiffeursalon des Vertrauens abgeschnitten werden. Dafür müssen sie am Kopf zu einem «Rossschwanz» zusammengebunden werden. Aus diesem wird ein Zopf geflochten und dieser wiederum wird dann oberhalb des «Rossschwanzes» abgeschnitten. Der ganze Zopf kann dann per Post an die jeweilige Organisation gesendet werden. Ben wird die Haare entweder nach Kloten an die Rolph AG oder nach Deutschland an die Organisation «It’s for Kids» senden. Da er die ersten Jahre in Hamburg aufgewachsen ist, befindet sich seine Coiffeuse des Vertrauens auch dort.
Bens Haare reichen nicht für eine ganze Perücke, da es auch kürzere Haare dabei hat. Etwa drei Spenden werden benötigt, um eine Perücke zu flechten. Wenn genügend blonde Haare zusammengekommen sind, werden seine Haare zu einer Perücke geflochten. Diese wird dann meist noch eingefärbt und so bekommt ein an Krebs erkranktes Kind eine Echthaarperücke. «Ich kenne kein Kind, welches eine Perücke trägt, aber ich will die Haare spenden und ziehe es durch bis zum Schluss», meint der blonde Junge. «Zuerst dachten wir, es sei einfach so eine Idee», ergänzt der Vater Dirk. «Die Idee hat sich aber immer mehr gefestigt und wenn Ben etwas will, dann zieht er es auch durch», erklärt der Vater stolz. Er selber war auch von Krebs betroffen und hat im Spital Menschen getroffen, welche die Haare verloren haben. «Für Menschen, welche ihre Haare verlieren, ist es bestimmt angenehmer, eine Echthaarperücke zu tragen, anstelle einer künstlichen.» Und das ist natürlich nur möglich, wenn genügend Haar gespendet wird. Einen Gedanken wert, für alle, die von einer Langhaar- zu einer Kurzhaarfrisur wechseln wollen.
So wie Ben. Sein Projekt wird er dieses Jahr noch beenden und dann freut er sich auf eine Kurzhaarfrisur. «Vielleicht fragen sie dann in der Schule, wo Ben ist», meint er lachend. Viele seiner Mitschülerinnen und Mitschüler kennen Ben gar nicht mit kurzen Haaren. Für den Moment sei es dann auch gut, eine weitere Spende wird es in naher Zukunft nicht geben, meint Ben abschliessend.
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