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Fotograf am WEF: «Darf sich nicht von den Hochrangigen blenden lassen»

Warum der Bündner Mattias Nutt Trump nicht fotografieren wird, wie ein typischer WEF-Tag aussieht und warum er sich nicht von den Promis beindrucken lässt.

25.01.18 - 04:30 Uhr
Politik
Mattias Nutt arbeitet zum zweiten Mal als offizieller Fotograf für das Weltwirtschaftsforum.
Mattias Nutt arbeitet zum zweiten Mal als offizieller Fotograf für das Weltwirtschaftsforum.
FOTO: PRIVAT

Zum zweiten Mal arbeitet Mattias Nutt, aufgewachsen in Felsberg, als Official Photographer fürs WEF. Der Bündner ist für die Einsatzplanung aller 13 offizellen WEF-Fotografen zuständig. Welche Persönlichkeiten der 39-Jährige, der in Chur lebt, am Annual Meeting in Davos vor der Linse hatte, erzählt er im Interview mit «suedostschweiz.ch».

Herr Nutt, wie kommt es, dass Sie beim WEF arbeiten?

Das begann vor einem Jahr. Ich bin eigentlich freischaffeneder Fotograf in Chur.

Ein nicht ganz alltäglicher Job. Welche Persönlichkeiten sind Ihnen schon vor die Linse gelaufen?

Letztes Jahr habe ich Chinas Staatschef Xi Jinping und Bundespräsidentin Doris Leuthard bei einem privaten Meeting fotografiert. Mein persönliches Highlight war, als ich dann später noch den norwegischen Kronprinzen Haakon angetroffen habe.

Realisiert man das während der Arbeit, wer da vor einem steht?

Ja, aber die Zeit auf dem WEF ist sehr intensiv. Wir haben innerhalb weniger Tage viele Meetings. Aber grundsätzlich darf man sich nicht davon beeindrucken oder blenden lassen, welche hochrangige Persönlichkeit vor einem steht.

Wie sieht ein typischer WEF-Tag aus?

Wir beginnen mit Frühstücksterminen, die meistens um 8 Uhr angesetzt sind und hören meistens um 19 Uhr auf. Es ist natürlich alles strukturiert, aber es kommt immer wieder zu spontanen Fotosessions und vielen Abendterminen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Prominenten. Reagieren die genervt auf Sie?

Nein, im Gegenteil. Sehr höflich. Wir sind ja keine Paparazzi. Von dem her: No Stress. Innerhalb des Kongresscenters werden wir nicht einmal wahrgenommen. Und als professioneller Fotograf suchst du den Blickkontakt, bist dezent und höflich.

Themenwechsel. Welche Auswirkungen hat die Rede von Präsident Trump am Freitag auf Ihre Arbeit?

Der Besuch bedeutet viel mehr Vorbereitung für uns. Ein Fotograf aus 13 wurde gestern offiziell ausgewählt und muss sich bei der Trump-Delegation akkreditieren lassen. Die anderen sind für seinen Termin nicht zugelassen.

Wurde mit «Schere, Stein, Papier» der Mann fürs Trump-Shooting ausgewählt, wer mit Trump den Tag verbringt?

Das wurde nicht von uns Fotografen entschieden, sondern vom WEF-Präsidium bestimmt.

Befassen Sie sich auch abseits der Arbeit mit dem WEF oder ist es ein Job wie jeder andere?

Es ist natürlich ein Privileg einer von wenigen Auserwählten zu sein. Aber es ist gleichzeitig auch eine Herausforderung. Man muss sich bewusst sein, wenn man einen oder zwei Fehler macht, ist man weg. Aber natürlich bin ich stolz, bei so einem internationalen Event vorne mit dabei zu sein.

Viele Einheimische sind derzeit von den Bedingungen – Stichwort Verkehrschaos - genervt. Aber ganz allgemein gefragt: Welche Bedeutung hat das WEF für Davos?

Für die Schweiz, für Graubünden ist die Veranstaltung ungemein wichtig. Es kommen viele Leute, der Umsatz ist gewaltig und der Bekanntheitsgrad der Region ist dadurch sehr gross. Ich finde es wichtig, dass das WEF auch weiterhin hier stattfinden kann. 

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