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So hat das Bündner Schutzkonzept bisher funktioniert

Der Kantonale Führungsstab hat über die ersten Erkenntnisse seit der Umsetzung des Schutzkonzeptes im Kanton Graubünden informiert. Wir haben das Wichtigste für Euch festgehalten.

Südostschweiz
31.03.21 - 10:23 Uhr
Politik
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Betriebstests gut angelaufen: Der Kanton Graubünden zieht ein positives Fazit zur Teststrategie.
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Damit ist die heutige Pressekonferenz im Meiersboden zu Ende.

Zum Schluss noch einmal das Wichtigste in Kürze:

Der Kanton teilt mit, dass die Fallzahlen in Graubünden stagnieren, während sie in der Schweiz grösstenteils ansteigen. Graubünden weise im landesweiten Vergleich beim R-Wert und der Sieben-Tage-Inzidenz die zweittiefste Zahl aus.

Der Grund für diese Entwicklung sei die Teststrategie des Kantons. Zu dieser Strategie zählen die Betriebs- und Schultests. Mit ihnen wird zurzeit 45 Prozent der mobilen Bevölkerung getestet. 40 Prozent seien im Vorfeld das Ziel gewesen. Seit dem wiederholten Testen in Betrieben und Schulen seien keine Ausbrüche mehr verzeichnet worden.

Dank der Strategie und der präventiven Tests habe auch das Worst-Case-Szenario in der Wirtschaft verhindert werden können, so die Verantwortlichen. So konnten zum Beispiel die Skigebiete offen bleiben. Eine Skigebietsschliessung hätte nach Berechnungen des Wirtschaftsforums Graubünden zusätzliche 320 Millionen Schweizer Franken gekostet.

Nimmt Graubünden den anderen Kantonen die Testkapazitäten weg? Das fragt ein Journalist.

«Es ist nicht trivial, die Laborkapazitäten hochzufahren», sagt Public-Health-Professor Fischer. Aber momentan erfinde jeder Kanton das Rad neu. Viele würden den Aufwand unterschätzen.

Könnte Graubünden denn jetzt unter diesen Voraussetzungen die Restaurants öffnen? Das ist die nächste Frage.

«Eine anspruchsvolle Frage», lacht Bühler. Es sei gelungen, Effekte zu erzielen, sagt er und verweist auf die niedrigen Fallzahlen in Graubünden im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt. «Wenn es uns gelingt, dass ganz Graubünden testet, geht die Kurve nach unten. Das ist auch die Idee des Bundesrates für die ganze Schweiz.»

«Wenn Sie Restaurants öffnen, ziehen die Menschen die Maske runter», sagt Fischer dazu. «In dieser pandemischen Situation ist das Risiko viel zu hoch.» Bei Kulturveranstaltungen sehe das anders aus: Dort habe man die Kontrolle.

Jetzt kommt die Fragerunde. Eine Journalistin fragt, wie regelmässig denn in den Betrieben getestet wurde.

In der Regel teste man einmal die Woche, sagt Martin Bühler, Chef des kantonalen Führungsstabs. Ein Algorithmus berechne, wie oft solche Tests nötig seien.

Zum Schluss kommt Andreas Felix, Geschäftsführer des Graubündnerischen Baumeisterverbandes, zu Wort.

«Betriebstestungen statt Quarantäne», sagt Felix. Das sei insbesondere für die Bauwirtschaft angesichts der bevorstehenden Bausaison von grosser Bedeutung. Die Unternehmen hätten mit den Tests einen enormen logistischen Aufwand. Dass sie trotzdem mitmachten, zeige die starke Identifikation der Wirtschaft mit dem Bündner Weg, sagt Felix.

Jetzt hat Joachim Fischer das Wort. Er ist Professor für Public Health und hat mit der Weissen Arena AG in Flims ein Testkonzept ausgearbeitet, das Schlagzeilen machte. Davon erzählt er jetzt.

Die Weisse Arena hatte damals als einer der ersten Betriebe mit den Betriebstestungen begonnen. «Tests müssen niederschwellig sein, sonst macht sie keiner.» Die Mitarbeitenden der Bergbahnen hatten die Möglichkeit, Spucktests zu machen. Es sei wichtig, nicht nur auf Inzidenzen und R-Werte zu achten. 

«Ich bin mir nicht sicher, ob Sie in Graubünden die Krise schon überwunden haben. Aber Sie haben die Bevölkerung mit der Teststrategie erreicht und sie begeistert», sagt Fischer.

Plaz vergleicht ausserdem die Ausgaben während der Pandemie für Kurzarbeitsentschädigung (160 Millionen Franken ausbezahlt), für Covid-Kredite (353 Millionen Franken bezogen) und Härtefallhilfen (Budget von 200 Millionen Franken vorgesehen). Im Vergleich dazu seien die Kosten für die Teststrategie mit zwölf Millionen Franken sehr gering.

Was hat die Teststrategie wirtschaftlich gebracht? Gemäss Plaz folgendes:

  • Abwendung des Worst-Case-Szenarios
  • Vertrauen in die Wintersportferien geschaffen
  • brenzlige Situationen in St. Moritz und Arosa (Massenausbrüche) gelöst
  • positives Image für Graubünden in der Schweiz

Jetzt spricht Peder Plaz, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Graubünden, zu den Auswirkungen der Coronamassnahmen auf den wichtigsten Wirtschaftszweigs des Kantons Graubünden, den Tourismus.

«Das Worst-Case-Szenario ist nicht eingetroffen», sagt Plaz bei seiner Präsentation. Auch der Trend für das laufende Jahr habe man nach oben korrigieren können.

Man habe auch den Effekt der Teststrategie auf die Hotellerie untersucht. Einen direkten Einfluss auf das Buchungsverhalten der Gäste scheint die Teststrategie nicht gehabt zu haben. Die Quarantänelockerung wird von den Hoteliers und Hotelières aber rückwirkend als sehr wichtig betrachtet.

Die Betriebstests zeigen gemäss kantonalem Führungsstab erste Resultate. «Wir haben zu rechnen begonnen», sagt Bühler. «Betriebe, die sich an den Testungen beteiligen, haben weniger Fälle. Dort, wo getestet wird, bekommen wir die Fallzahlen unter Kontrolle.»

Je mehr sich beteiligen würden, desto grösser der Einfluss auf die Fallzahlen insgesamt, so Bühler. «Wir müssen dranbleiben, damit der Effekt bleibt.»

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