Von Glarus nach Rappi und zurück
«Das Eishockeyspielen ist meine grosse Leidenschaft», sagt der 19-jährige Siro Rutzer aus Riedern. Fast jeden Tag steht er als Captain der Elite B der SC Rapperswil Jona Lakers auf dem Eis – teilweise sogar mehrmals. Und das, obwohl sein Vater eigentlich nie wollte, dass er diesen Sport ausübt.
«Das Eishockeyspielen ist meine grosse Leidenschaft», sagt der 19-jährige Siro Rutzer aus Riedern. Fast jeden Tag steht er als Captain der Elite B der SC Rapperswil Jona Lakers auf dem Eis – teilweise sogar mehrmals. Und das, obwohl sein Vater eigentlich nie wollte, dass er diesen Sport ausübt.
Von Anja Mittner
«Er hat selbst lange Eishockey gespielt und deshalb auch gewusst, wie aufwendig das ist. Ich habe aber trotzdem nie mit dem Fragen aufgehört und mit ungefähr acht Jahren, als in Glarus sowieso ein Spielermangel war, hat er es mir erlaubt.» Ein Jahr hat Rutzer bei den Glarnern gespielt, dann wurde sein Team aufgelöst. «Dort hiess es, entweder nach Rapperswil gehen oder aufhören», erinnert sich der 19-Jährige. Und der Fall war klar: auf nach Rapperswil.
«Als ich das erste Mal nach Rapperswil gegangen bin, hiess es: ‘Oh schau, einer von Glarus, der kann sowieso nichts’. Sie haben mich dann in die schlechteste Mannschaft eingeteilt.» Nach zwei Trainings und einem Turnier habe er aber schon in der besten Mannschaft dieser Altersklasse mitgespielt. Und so hat Rutzer alle Nachwuchsstufen durchlaufen und die Eishalle in Rapperswil wurde sozusagen zu seinem zweiten Zuhause. «Meine Eltern haben mich in allen Belangen und jederzeit sehr unterstützt. Sie sind immer mit mir ins Training nach Rappi und wieder zurück nach Glarus gefahren, bis ich alt genug war, um alleine mit dem Zug zu gehen.» Vor etwa fünf Jahren haben dann die täglichen Trainings begonnen. «Dort habe ich mich sozusagen von meiner Freizeit verabschiedet», sagt er schmunzelnd. Denn neben dem Sport bleibt dem jungen Stürmer nicht mehr viel Zeit übrig. Neben fast täglichem Training kommen nämlich auch noch zwei Spiele wöchentlich dazu, die er mit seinem Team bestreiten muss.
Oh schau, einer von Glarus, der kann sowieso nichts.
«Das schweisst zusammen, wenn man so viele Stunden miteinander verbringt. Das Team wird mit der Zeit zu einer grossen Familie.» Das habe aber auch zur Folge, dass er nicht mehr so viel Zeit im Glarnerland verbringe und deshalb die Freundschaften hier nicht mehr so pflegen könne. Zudem arbeitet der Nachwuchs-Eishockeyspieler ausserhalb des Kantons. «Ich habe damals bei der Lehrstellensuche extra darauf geachtet, dass der Arbeitgeber flexibel ist und ich trotzdem noch trainieren kann.»
Fanionteam als Ziel
Und genau so eine Stelle hat er als Zeichner bei der Firma EWP AG in Altendorf gefunden und die Lehre im letzten Sommer erfolgreich abgeschlossen. «Weil der Chef auch ein Sportler ist, versteht er, was mir das Training und der Sport bedeuten», erklärt er. Er sei immer noch dort angestellt, einfach nur zu 80 Prozent. Somit habe er genug Zeit, um auch beispielsweise über den Mittag trainieren zu gehen. Wie viele andere Hockeyspieler möchte er eines Tages in der besten Liga, der National League, spielen.
Zuerst hofft er aber, dass er bei den Lakers einen Vertrag für die Erste Mannschaft bekommt: «Wir hatten vor der Saison diverse Gespräche und haben die Situation mehrmals besprochen. Doch in dieser Saison hat die 1. Mannschaft ein sehr breites, qualitativ gutes Kader und fast keine Verletzten. Daher ist es in dieser Spielzeit sehr schwierig, zu Einsätzen zu kommen. Natürlich hoffe ich noch auf meine Chance, mich zu zeigen. Ich wünsche natürlich keinem, dass er sich verletzt. Aber ich würde gerne einmal spielen», erklärt er. Deshalb hoffe er jetzt auf die nächste Saison. Und was, wenn es nicht klappt? Dann werde er sich in seinem Beruf weiterbilden. «Das war die Bedingung meiner Eltern: Ich solle eine gute Lehre machen, falls das mit dem Eishockey scheitert – damit ich nicht mit leeren Händen dastehe.» Bis jetzt läuft es aber nicht schlecht mit dem Eishockey – letztes Jahr durfte er als Captain mit seinem Team den Schweizer Meistertitel entgegennehmen. Und dieses Jahr ist er im Kanton Glarus als Nachwuchssportler des Jahres nominiert. Aber es gab auch Zeiten, in denen nicht alles nur rundlief und er habe sich auch schon gefragt, ob es das alles wert sei. Schlussendlich sei es aber doch immer wieder dieselbe Antwort: «Ja, es ist’s mir wert.»
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