FCRJ droht schon vor erstem Anpfiff eine Disziplinarstrafe
Der FC Rapperswil-Jona hat den Aufstieg in die zweithöchste Schweizer Liga gemeistert. Die Lizenz ist aber an Auflagen geknüpft – und die sind nicht erfüllt. Nun verzögert eine Sammeleinsprache den Stadionausbau weiter.
Der FC Rapperswil-Jona hat den Aufstieg in die zweithöchste Schweizer Liga gemeistert. Die Lizenz ist aber an Auflagen geknüpft – und die sind nicht erfüllt. Nun verzögert eine Sammeleinsprache den Stadionausbau weiter.
Mit Freibier und Gratispizzas feierten Präsident Rocco Delli Colli und die Fans des FC Rapperswil-Jona den Aufstieg in die Challenge League, die zweithöchste Schweizer Fussballliga (Ausgabe vom 22. Mai). Kurz vorher wurde bereits der ehemalige Super-League-Trainer Urs Meier als neuer Chefcoach verpflichtet, und auch auf dem Transfermarkt haben die Rosenstädter zugeschlagen, um das Projekt Ligaerhalt in Angriff zu nehmen.
Anwohner gegen neue Lichtmasten
Sportlich ist man also gut aufgestellt. Doch nun droht dem FCRJ schon vor dem Saisonstart Ungemach: Die Swiss Football League (SFL) gibt Kriterien vor, die ein Stadion erfüllen muss – und die werden mit jedem Aufstieg in eine höhere Liga strenger. Die SFL hat dem FCRJ zwar die Spiellizenz erteilt, diese aber an diverse bauliche Anpassungen am Stadion geknüpft.
Das Heimstadion Grünfeld erfüllt gleich mehrere Kriterien nicht: So muss die Beleuchtung von 300 auf 500 Lux verstärkt werden, damit das Fernsehen Aufnahmen machen kann – dafür sind 40 Meter hohe Masten nötig. Dies ist die dringlichste Investition. Kosten: 700 000 Franken. Ausserdem fordert die Liga mittelfristig nummerierte Klappsessel auf der Tribüne, einen separaten Eingang für die Zuschauer, einen separaten Gästesektor, extra Gäste-WCs, neue Treppenaufgänge sowie eine Umzäunung des Stadions – nichts davon weist das Grünfeld derzeit auf.
Dabei drängt die Zeit: Laut SFL müssen die Auflagen Anfang Saison erfüllt sein – sonst droht ein Disziplinarverfahren (Interview unten). Bauchef Thomas Furrer sieht das etwas anders: «Die Mindestanforderung, die ich kenne, lautet, dass bis heute das Baugesuch eingereicht sein und im Idealfall das Baubewilligungsverfahren am Laufen sein muss.» Ersteres sei geschehen, die Auflagefrist für das Baugesuch lief gestern ab.
Dennoch: Ewig Zeit lassen kann sich die Stadt mit den Umbauarbeiten nicht – und die Beleuchtung stösst bereits auf Widerstand. «Es gab vorgängig einzelne Gespräche», sagt Furrer. Gebracht hat das aber wenig: «Bis Mittwochabend ist eine Sammeleinsprache aus der Nachbarschaft bei uns eingegangen.» Deshalb könne heute «niemand voraussagen, wann die Masten aufgestellt sind und das neue Licht leuchtet». Sicher ist: «Die neuen Klappsitze werden für die ersten Heimspiele noch nicht eingebaut sein, weil auch die Unterkonstruktion der Tribüne verstärkt werden muss.»
Ein weiteres Problem: Die 700 000 Franken unterliegen dem fakultativen Referendum – und die Gefahr besteht, dass dieses ergriffen und eine Abstimmung nötig wird. Denn bei den Parteien regt sich Widerstand gegen die Grosszügigkeit der Stadt dem Fussballklub gegenüber. Denn für den Stadionumbau hat sie bereits gut eine halbe Million budgetiert.
Stadt und Klub zuversichtlich
Furrer bleibt trotzdem zuversichtlich. Und auch von FCRJ-Sprecher Rolf Lutz heisst es: «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass alles rechtzeitig fertig wird.» Er betont, die Liga könne zwar disziplinarische Massnahmen verordnen, müsse dies aber nicht tun.
Nicht in Erfahrung bringen liess sich gestern, was die mangelnde Lichtstärke für die erste Fernseh-Übertragung eines Heimspiels des FCRJ bedeutet. Dieses findet am 4. August statt. Dass die Lichtmasten bis dann stehen, ist höchst unwahrscheinlich.
Marc Juillerat, welche Auflagen müssen Challenge-League-Klubs zum Saisonbeginn erfüllen? Die Auflagen beinhalten einerseits finanzielle Anforderungen, ein ausreichendes Sicherheitsdispositiv sowie bauliche Mindestanforderungen beim Stadion, etwa eine Beleuchtung mit 500 Lux. Diese Vorgaben müssen alle Klubs im Sinne der Gleichbehandlung erfüllen – es können keine Ausnahmen gemacht werden.
Dem FCRJ wird es nicht möglich sein, die baulichen Massnahmen bis Saisonanfang umzusetzen. Was bedeutet das? Wenn das so ist, geht der Fall an die Disziplinarkommission. Diese wird dann prüfen, ob eine Strafe verhängt werden muss. Das kann von einer Busse über Punktabzüge bis hin zum Entzug der Spiellizenz reichen. Ich kann den FCRJ aber dahingehend beruhigen, dass die Kommission die Bemühungen und die Umstände berücksichtigt. Uns ist bewusst, dass ein Gemeinwesen für die Bewilligung und Finanzierung von Ausbaumassnahmen an öffentlich-rechtliche Prozesse und Termine gebunden ist. Wie die unabhängige Kommission entscheiden wird, kann ich allerdings nicht beurteilen. Doch wenn ersichtlich ist, dass Stadt und Klub alles tun, um Anfang Saison bereit zu sein, wird sich dies auf jeden Fall positiv auf das Urteil der Disziplinarkommission auswirken.
Also ist davon auszugehen, dass der FCRJ die ersten Heimspiele der Saison im Stadion Grünfeld austragen kann? Davon gehe ich aus. Ausser es würden wider Erwarten bis zum Saisonstart schwerwiegende Mängel, beispielsweise im Sicherheitsbereich, festgestellt. Stand heute ist der Spielbetrieb an sich im Stadion Grünfeld aus meiner Sicht nicht gefährdet.
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