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Münstertaler wollen nach Italien zum MRI

Das Center da sandà Val Müstair strebt eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Vinschgau an. Vom Kanton gibt es grünes Licht. Nun soll der Bundesrat helfen, den politischen Prozess in Italien zu beschleunigen.

06.03.18 - 04:30 Uhr
Wirtschaft
Visite aus Chur: Regierungsrat Christian Rathgeb (Mitte) besucht auf seiner Spitaltour auch das Center da sandà Val Müstair.
Visite aus Chur: Regierungsrat Christian Rathgeb (Mitte) besucht auf seiner Spitaltour auch das Center da sandà Val Müstair.
PRESSEBILD

Es ist ein weiter Weg von Chur nach Sta. Maria. Dennoch hat es sich Regierungsrat Christian Rathgeb am Freitag nicht nehmen lassen, auf seiner Spitaltour auch das Center da sandà Val Müstair zu besuchen. Dieser Besuch war ganz klar sein Bekenntnis zur peripheren, dezentralen Gesundheitsversorgung. «Wir spüren die Wertschätzung der Regierung für unsere Institution und sind sehr froh darüber», meinte die Direktorin Judith Fasser, nach dem Regierungsbesuch.

Gute Beziehungen zu Chur sind wichtig für das kleine Gesundheitszentrum, vor allem wenn es um Projekte geht, welche ausserhalb des Hauses umgesetzt werden sollen. Das Gesundheitszentrum steht zurzeit mitten in einer strategischen Weiterentwicklung, in deren Rahmen es neue Akzente setzen will. Dazu gehört eine interregionale Zusammenarbeit mit dem angrenzenden Vinschgau.

Eine Win-win-Situation

Geografisch sind das Obere Vinschgau und die Val Müstair ein zusammenhängendes Gebiet. Der Austausch zwischen den Südtirolern und Münstertalern ist seit je gegeben. Es gibt auch viele Grenzgänger im Tal. Allein beim Center da sandà Val Müstair stammen 40 Prozent der 90 Angestellten aus dem Südtirol.

Nun soll auch auf medizinischer Ebene eine engere Zusammenarbeit erfolgen. Gemäss Fasser haben diesbezüglich bereits Besprechungen mit Vertretern des Spitals Schlanders sowie mit einem Mitglied des Gemeinderats Taufers stattgefunden. «Konkret könnte die Bevölkerung von Taufers ambulante Leistungen bei uns beziehen. Im Gegenzug könnten unsere Patienten zum MRI oder zum CT nach Schlanders gehen», erklärte die Direktorin. Für die Talbevölkerung sei eine Fahrt über den Ofenpass ins Engadin zum Teil beschwerlich, vor allem für die ältere Generation. Ein Angebot in Grenznähe würde die Zugänglichkeit zu bestimmten medizinischen Dienstleistungen sehr erleichtern. Zumal im Spital von Sta. Maria keine Operationen durchgeführt werden können. «Wir sind in erster Linie Zulieferer der Spitäler im Ober- und Unterengadin», erläuterte Fasser.

«Wenn uns dieser Schritt gelingt, wäre dies eine Pionierleistung.»

Viel Unterstützung vom Kanton

Vom Kanton Graubünden gibt es grünes Licht für das grenzüberschreitende Projekt. Gemäss Rathgeb sollten die entsprechenden Weichen bis Ende Jahr gestellt werden. «Im Sinne einer Win-win-Situation wünschen wir uns eine engere Zusammenarbeit», meinte er an der Medienorientierung am Freitag. Noch ist die Antwort aus dem Südtirol ausstehend. «Wahrscheinlich muss die Anfrage noch von Rom bewilligt werden», meinte Fasser.

Um den Prozess zu beschleunigen, hat Rathgeb seine Beziehungen spielen lassen. Über Bundesrat Ignazio Cassis wurde die italienische Botschaft eingeschaltet. Cassis persönlich wird im Sommer die Val Müstair gemeinsam mit Vertretern der Bündner Regierung besuchen. Rathgeb hofft, noch in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit dem Vinschgau auf politischer Ebene aufgleisen zu können. «Wenn uns dieser Schritt gelingt, wäre dies eine Pionierleistung für das Center da sandà Val Müstair», so der Regierungsrat.

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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