Flasche leer: Tappt Graubünden Ferien in die Abseitsfalle?
Partnerschaften mit internationalen Fussballklubs sind für Schweizer Tourismusregionen ein vielversprechendes Marketinginstrument. Umso bitterer, dass diejenige zwischen Graubünden Ferien und dem Fussball-Bundesligisten Hamburger SV nur zwei Jahre währte.
Partnerschaften mit internationalen Fussballklubs sind für Schweizer Tourismusregionen ein vielversprechendes Marketinginstrument. Umso bitterer, dass diejenige zwischen Graubünden Ferien und dem Fussball-Bundesligisten Hamburger SV nur zwei Jahre währte.
In den heissen Sommermonaten ist die Alpenregion Schweiz und Österreich beliebtes Ziel für deutsche Bundesliga-Klubs. Seit Jahren absolvieren der VfL Wolfsburg (in Zusammenarbeit mit Heidiland Tourismus) und Borussia Dortmund Teile der Saisonvorbereitung in Bad Ragaz. So auch heuer.
Auch Graubünden Ferien ist es 2015 und 2016 gelungen, eine attraktive Kooperationsvereinbarung einzugehen. Zwei Mal in Folge schlug Bundesliga-Dino Hamburg seine Zelte in Laax auf. Trainiert wurde auf dem Fussballplatz Crap Gries in Schluein.
Zudem pflegen viele Hamburger eine langjährige Ferientradition zu Graubünden und gehören somit zu unseren treuen Stammgästen.
Das Geschäftsmodell ist einfach: Die Fussballklubs lassen sich von der Tourismusorganisation das Trainingslager (mit)finanzieren. Neben der direkten Wertschöpfung durch mitreisende Fans profitiert die Ferienregion im Gegenzug vor allem durch die Präsenz in den deutschen Medien. Im gigantischen Markt des Spitzenfussballs wird mittlerweile selbst die sportlich unbedeutende Vorsaison medial ausgeschlachtet.
Dass sich Graubünden Ferien mit dem HSV nicht über eine Weiterführung der Zusammenarbeit einigen konnte, ist schade, war doch der HSV als Partner optimal. Die Auswirkungen auf künftiges touristisches Aufkommen aus dem «Grossen Kanton» sind nicht zu unterschätzen.
Roland Signer, Sprecher von Graubünden Ferien, sagt: «Für die Kooperation mit dem HSV sprach unter anderem, dass in Hamburg sehr viele Menschen aktiv Skisport betreiben. Zudem pflegen viele Hamburger eine langjährige Ferientradition zu Graubünden und gehören somit zu unseren treuen Stammgästen. Weiter ist der Wirtschaftsstandort Hamburg für Graubünden sehr interessant, denn vor Ort sitzen viele internationale Firmen und einige wichtige Medienhäuser.»
Rettungsanker ÖFB?
Trotzdem: Angst, ins fussballerische und damit ein Stück weit auch touristische und wirtschaftliche Abseits zu geraten, hat man bei Graubünden Ferien nicht. Die touristische Marketingorganisation hat die Zeichen der Zeit erkannt und will den Fokus in Zukunft noch stärker auf strategische Partnerschaften legen.
Im Vorfeld der Europameisterschaften 2016 trainierte die österreichische Nationalmannschaft fernab des heimatlichen Trubels in Schluein – «eine tolle Lösung, die auch sehr medienwirksam kommuniziert wurde», wie Signer erklärt. Nationalteams als Nische innerhalb der Trainingslager: Ein Modell, dass für Graubünden Ferien Schule machen könnte.
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