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Graubünden will Ski-Unfallopfer zurück in ihre Wohnkantone senden

Graubünden fürchtet, verunfallte Skitouristen im Kanton nicht ausreichend versorgen zu können. Gesundheitsdirektor Peter Peyer hat darum in den Herkunftskantonen der Touristen angefragt, ob diese für Unfallopfer Kapazitäten hätten.

Südostschweiz
15.12.20 - 08:22 Uhr
Politik
Skiunfall
Eine Rega-Crew versorgt einen Verunfallten.
ARCHIV

Wie der «Tagesanzeiger» am Montag berichtete, will der Kanton Graubünden verunfallte Skitouristen in die Spitäler ihrer Herkunftskantone zurückführen. Dies, um der Überlastung des Bündner Gesundheitswesens entgegenzuwirken.

«Wir haben mehrere Spitäler in den Herkunftskantonen unserer Touristen angefragt, ob sie für verunfallte Skitouristen Kapazitäten hätten. Doch die Antworten waren ernüchternd», sagte Peter Peyer gegenüber dem «Tagesanzeiger». Auch in den angefragten Kantonen seien die Spitäler aufgrund der Coronapandemie bereits gefüllt.

Gemäss dem «Tagesanzeiger» - der sich auf mehrere Sitzungsteilnehmer beruft -  brachte Peyer den Engpass in seinen Spitälern am Montag in der Krisensitzung der Gesundheitsdirektoren mit Bundesrat Alain Berset ein. Berset antwortete dem Vernehmen nach, wenn die Spitäler überfüllt seien, müsse der Kanton halt die Skigebiete schliessen. Peyer wollte die Aussagen aus internen Aussprachen nicht kommentieren.

Spezielle Bewilligung nötig

Der Bundesrat hat am 4. Dezember im Grundsatz entschieden, dass die Schweizer Skigebiete trotz Corona weiteroperieren dürfen – ab dem 22. Dezember aber nur noch mit einer speziellen Bewilligung ihres Kantons. Um diese zu erhalten, mussten die Skigebiete bis letzten Freitag umfangreiche Schutzkonzepte einreichen.

Doch die Kantone dürfen diese Bewilligung nur ausstellen, wenn in ihren Spitälern «hinreichende Kapazitäten für die Behandlung sowohl von an Covid-19 erkrankten Personen als auch von anderen Personen, namentlich solchen mit Sportverletzungen, zur Verfügung stehen», so der Wortlaut der bundesrätlichen Covid-19-Verordnung.

Ob diese Bedingungen in Graubünden noch gegeben sind, lässt Peyer derzeit offen. «Darüber muss der Gesamt-Regierungsrat entscheiden.» Bereits am Dienstag werde die Regierung darüber beraten. «Wenn wir nicht genügend Reserven in den Intensivstationen haben, müssen wir den Betrieb der Bergbahnen einschränken oder ganz einstellen», so Peyer.

Die Zahl der Intensivpflegeplätze im Kanton Graubünden wurde bereits um rund 50 Prozent aufgestockt – auf derzeit 22, so der «Tagesanzeiger». (reb)

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Interessant. Da beschweren sich die Spitäler dieses Jahr immer, sie würden weniger verdienen, haben aber immer voll. Die haben wohl ihre Kosten nicht im Griff.

Wenn sich die Skiurlauber konsequent an die Regeln auf den Skipisten halten, reduzieren sich auch die Ski-Unfälle auf ein absolutes Minimum. Warum also nicht an die Eigenverantwortung aller Skiurlauber appellieren?

Lockdown!
Zweitwohnungsbesitzer und Touristen sollen im 2021 wieder konmen. Jetzt ist die Zeit um Solidarität zu zeigen und das Gesundheitswesen zu entlasten. Bleibt Zuhause und zeigt Verantwortung!

Na ja, willkommen in der Realität. Dieser Punkt wurde vermutlich von den Skiresort-Betreibern nicht berücksichtigt oder vermutlich als Problem der jeweiligen Kantone angeschaut. Vermutlich kommt noch die Forderung auf, dass für Skiunfälle Kontingente bei den Spitalbetten geschaffen werden müssen? Ich frage mich ernsthaft, müssen zusätzliche Risikofaktoren geschaffen werden, wenn die Kapazitäten eh schon am Limit sind? Ich halte es da gleich wie Herr Berset, wenn die Ressourcen nicht vorhanden sind, bleiben die Bergbahnen eben zu! Irgendwo gehören nun mal die Grenzen aufgezeigt. Ich hoffe Herr Peyer kann sich diesbezüglich mal durchsetzen und knickt nicht vor den Lobbyisten ein. Man müsste dann eben auch mal von Verantwortlichkeiten sprechen!

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